Tim Lutz
6. Mai 2020

Kundenindividuelle Massenproduktion

Mithilfe der Massenproduktion stellen Unternehmen schnell und wirtschaftlich Produkte her.

Kunden verlangen allerdings immer individuellere Produkte in kleinen Losgrößen (Stichwort: Losgröße 1). Hersteller, die wettbewerbsfähig bleiben wollen, stehen deswegen vor einer großen Herausforderung: Sie müssen personalisierte Waren ebenso schnell und wirtschaftlich wie gewöhnliche Massenanfertigungen produzieren. Möglich macht das die kundenindividuelle Massenproduktion (Mass Customization).

Was ist kundenindividuelle Massenproduktion?

Mass Customization beschreibt einen Anpassungsprozess von Produkten. Unternehmen modifizieren ihre Waren aus der Massenanfertigung nach individuellen Bedürfnissen. Sie profitieren dabei von den niedrigen Stückkosten durch die Massenproduktion und stellen Kunden dennoch ein personalisiertes Produkt zur Verfügung.

Oft sind Waren für die kundenindividuelle Massenproduktion modular aufgebaut. Kunden stehen so vor verschiedenen Möglichkeiten, die sie miteinander kombinieren können. Auf diese Weise konzipieren sie sich ein auf sie zugeschnittenes Produkt.

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Methoden der kundenindividuellen Massenproduktion

Experten unterscheiden zwischen diesen 4 grundsätzlichen Methoden der individuellen Massenproduktion:

1. Anpassungen durch Zusammenarbeit mit dem Kunden

Bei dieser Methode trifft sich der Hersteller mit seinem Kunden. Er spricht mit ihm und versucht dabei zu erkennen, welche Bedürfnisse die personalisierte Ware erfüllen soll. Dabei macht er Faktoren für den Design-Prozess des Produktes ausfindig.

Vor allem stark kundenorientierte Unternehmen setzen Mass Customization auf diese Weise um. Diese Methode hilft Kunden auch dabei, sich ihren Bedürfnissen bewusst zu werden, anstatt sich in einer Vielzahl von Optionen zu verwirren.

2. Adaptive Customization

Bei dieser Methode bieten Unternehmen Kunden ein Standardprodukt an. Dieses enthält einige wenige vordefinierte Anpassungsmöglichkeiten. Das Produkt ist also so gestaltet, dass der Kunde es möglichst leicht ändern kann.
Nutzer profitieren von der Flexibilität des Produktes. So können sie in verschiedenen Situationen unterschiedliche Bedürfnisse erfüllen. Ein simples Beispiel für Adaptive Customization sind Beleuchtungssysteme, die Räume in verschiedenen Farben beleuchten können. So können Anwender ihre Umgebung je nach gewünschter Stimmung beleuchten.

3. Kosmetische Anpassung

Bei dieser Methode steht das Marketing im Fokus. Das ist besonders bei Produkten hilfreich, die verschiedene Bedürfnisse gleichzeitig erfüllen. Bei der kosmetischen Anpassung erstellen Unternehmen verschiedene Marketing-Präsentationen, die die Eigenschaften des Produktes jeweils anders bewerben und sich an unterschiedliche Zielgruppen wenden.
Wie der Name bereits sagt, ist nicht das Produkt als solches, sondern die Präsentation an die Kundenbedürfnisse angepasst.

4. Transparente Anpassung

Dieses Vorgehen ist quasi das Gegenteil der kosmetischen Anpassung. Bei dieser Methode passt ein Unternehmen eine Ware an die Bedürfnisse des Kunden an – informiert ihn jedoch nicht darüber.
Dieser Ansatz funktioniert in Fällen, in denen der Kunde seine Bedürfnisse nicht ständig wiederholen möchte. Sind Kundenbedürfnisse vorhersehbar und offensichtlich? Auch dann eignet sich diese Vorgehensweise.

Für den Kunden bedeutet das weniger Aufwand. Wenn er zum Beispiel Putzmittel für einen Holzboden bestellt, bekommt er das dafür vorgesehene geliefert. Mit anderen Optionen muss er sich gar nicht erst beschäftigen. Für das Unternehmen ist es jedoch ein angepasstes Produkt, da es einen Zusatz für das Holz enthält und es das gleiche Putzmittel mit einem anderen Zusatz zum Beispiel für Kachelböden verkauft.

Wie kundenindividuelle Massenproduktion das Marketing pusht

Unternehmen optimieren mit der kundenindividuellen Massenproduktion nicht nur ihre Herstellungsprozesse. Sie können damit auch ihr Marketing verbessern. Mit personalisierten Produkten gehen Sie wesentlich flexibler auf die Bedürfnisse von Kunden ein. Das kann zu höherer Kundenzufriedenheit und damit auch zu steigenden Umsätzen führen.

Das Internet hat den Trend zur Mass Customization befeuert. Immer mehr Unternehmen bieten Kunden auf ihren Webseiten an, individuelle Produkte zu gestalten. Auf der Internetseite eines bekannten schwedischen Möbelherstellers können Sie sich zum Beispiel einen Schrank selbst entwerfen.

Mass Customization ist Bestandteil von Industrie 4.0. Immer mehr Unternehmen setzen bei der Massenherstellung personalisierter Produkte auf automatisierte und vernetzte Fertigungsanlagen. Hierfür benötigen Sie neben Ihrem ERP-System eine geeignete Lösung zum Management des Shopfloors und der produktionsnahen operativen Prozesse.

Wie SAP die kundenindividuelle Massenproduktion steuert

Mit SAP ERP automatisieren Unternehmen auch die kundenindividuelle Massenproduktion auf betriebswirtschaftlicher Ebene. Mit dem System können Sie Materialwirtschaft und Produktion miteinander vernetzen und sorgen so dafür, dass 2 wesentliche Unternehmensbereiche im Einklang miteinander funktionieren.

Im Falle fehlender Materialien platzieren Unternehmen mit SAP automatisch Bestellungen bei den Zulieferern. Die SAP Materialbedarfsplanung ist hierfür eine zentrale Komponente. Um das volle Potenzial aus dieser Automation auszuschöpfen, erfolgt dieser Prozess ohne Zeitverzug.

Mit SAP verwirklichen Unternehmen auch Automatisierungstechnologien. So können Sie zum Beispiel automatische Transportmittel mit dem SAP ERP realisieren. Diese stellen der Produktion automatisiert Material aus dem Wareneingang zur Verfügung.

Um agil auf personalisierte Anfragen reagieren zu können, müssen die Anlagen mit einem Leitstand kommunizieren. Zu diesem Zweck verfügen sie über Sensoren. Aber nicht nur Maschinen – auch die verschiedenen Werkstücke können Sie mit Sensoren ausstatten. Mit ihnen können Anlagen nicht nur untereinander und mit dem Leitstand, sondern auch mit den Werkstücken kommunizieren. Dieser Art der Vernetzung ist eine grundlegende Basis, um Industrial Internet of Things (IIoT) im eigenen Unternehmen umzusetzen.

Um auf individuelle Kundenanforderungen schnell reagieren zu können, müssen Sie Prozessabläufe und Planungsprozesse optimieren. Neben dem Ressourcenverbrauch spielen dabei auch Umrüstungsprozesse von Maschinen aufgrund wechselnder Produkte eine große Rolle. Sobald die Vorgänge optimiert sind, profitieren Firmen trotz der kundenindividuellen Anfertigung von den Vorteilen der Massenproduktion.

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Diese SAP-Lösungen unterstützen die kundenindividuelle Massenproduktion

Als führender Software-Anbieter hat SAP mittlerweile mehrere Lösungen für die kundenindividuelle Massenproduktion veröffentlicht. Diese werden auch den Ansprüchen von IIoT gerecht. Zu den geeigneten Software-Lösungen gehören insbesondere:

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Fazit

Unternehmen können individuelle Herstellungsprozesse mit den Vorteilen der Massenproduktion verbinden. Experten bezeichnen das Ergebnis als Mass Customization. Aber was bedeutet das konkret? Es gibt verschiedene Formen der Mass Customization: Einmal Anpassungen durch die Zusammenarbeit mit dem Kunden sowie adaptive, kosmetische oder transparente Anpassungen. Jede Methode hat eigene Vorteile und richtet sich an verschiedene Kundengruppen. Wie Sie Mass Customization optimal umsetzen, hängt immer stark von dem anzufertigenden Produkt ab.

Mass Customization klingt auf den ersten Blick kompliziert – ist es aber nicht unbedingt. Vor allem mit vernetzten Anlagen und Werkstücken im Rahmen von IIoT lassen sich Massenanfertigungen mit Änderungsoptionen weitgehend automatisiert herstellen. Die Herausforderung liegt darin, die systemseitigen Voraussetzungen für die Umsetzung solcher IIoT- und Industrie 4.0-Konzepte zu schaffen.

Ein klassisches ERP System wie z. B. SAP ERP oder SAP S/4HANA nimmt dabei eine zentrale Rolle ein. Um die operativen Prozesse für Mass Customization zu optimieren und steuerbar zu machen, ist ein MES wie die SAP Manufacturing Execution Suite oder die SAP Digital Manufacturing Cloud unerlässlich.

Websession: Kundenindividuelle Massenproduktion

Sie haben weitere Fragen zur individuellen Massenkommunikation? Vereinbaren Sie gerne eine kostenlose Websession. Gemeinsam besprechen wir Ihr Anliegen.

Tim Lutz

Tim Lutz

Mein Name ist Tim Lutz und ich bin der Fachbereichsleiter von Mindlogistik. Ich beschäftige mich schon seit vielen Jahren mit Logistiklösungen im SAP Umfeld.

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