Tim Lutz
19. Mai 2022

Kommissionierung

Unter der Kommissionierung versteht man das Zusammenstellen von Gütern und Waren auf Basis von Aufträgen. Diese Teilmengen, oder auch Artikel genannt, werden aus einem zur Verfügung stehenden Sortiment erstellt. Kundenabhängig geschieht die Kommissionierung entweder auftragslos oder auftragsbezogen – anders ausgedrückt mehrstufig oder einstufig. Der Mitarbeiter, der schlussendlich den Artikel nach Auftrag zusammenstellt, wird Kommissionierer, Greifer oder Picker genannt.

Generell wird bei diesem Vorgang zwischen mehreren Methoden, Systemen und Verfahren unterschieden.

Arten der Kommissionierung

Man unterscheidet bei der Kommissionierung zwischen den zwei folgenden Arten:

Einstufige Kommissionierung

Die einstufige Kommissionierung ist auch als „Einfachkommissionierung“ bekannt. Typisch für sie ist, dass auf die Unterstützung eines Lagersystems verzichtet wird. Jedoch bedarf es dafür im Lager bestimmter Voraussetzungen. Beispielsweise muss der Abtransport aus dem Lager strukturiert und organisiert sein und das Sortiment sollte überschaubar sein. Diese Parameter sicherzustellen ist die Aufgabe der Lagerverwaltung. Die Suche kann erleichtert werden, wenn die Artikel in einer geordneten Folge der Artikelnummern im Lager einsortiert wurden. So lassen sich Zeit und Kosten einsparen.

Mehrstufige Kommissionierung

Wenn mehrere Kundenaufträge gleichzeitig bearbeitet werden sollen, kommt die mehrstufige Kommissionierung zur Anwendung. Hier werden verschiedene Aufträge parallel ausgeführt. Der Ablauf erfolgt dabei in zwei Schritten. Zuerst werden alle benötigten Waren und Güter zu einem Gesamtsortiment zusammengestellt. Bei diesem Vorgang spricht man auch von der „Artikelkommissionierung“. Anschließend werden im zweiten Schritt die Waren und Güter an die jeweiligen Auftraggeber verteilt.

Entnahme der Waren

Bei der Kommissionierung gibt es unterschiedliche Möglichkeiten der Warenherkunft. Üblicherweise wird die Ware aus einem Standardlager entnommen.

Um die Kommissionierung zu verbessern, kommt häufig auch ein sogenanntes Kommissionierlager zum Einsatz. Dabei handelt es sich um ein Lager, das speziell dazu da ist, das Zusammenstellen der Artikel für Kundenaufträge optimal zu ermöglichen. Wie bei der Kommissionierung üblich werden aus einem solchen Lager keine kompletten Ladeeinheiten, sondern nur Teilmengen entnommen.

Eine andere Möglichkeit ist, die Ware direkt aus der Produktion zu entnehmen. Der Fachbegriff dazu ist „Just-in-time-Produktion“. Die Just-in-time-Produktion (JIT), auf deutsch „gerade zur rechten Zeit“, wird auch als bedarfssynchrone Produktion bezeichnet. Es handelt sich um ein logistikorientiertes, dezentrales Organisations- und Steuerungskonzept, bei dem nur jenes Material produziert und danach geliefert wird, welches vom Kunden nachgefragt wird. Das bedeutet, dass kein Auslieferungslager mehr vorhanden sein muss und eine enge Zusammenarbeit zwischen Lieferanten und Unternehmer gegeben sein muss.

Außerdem besteht noch die Option der Entnahme aus einem stationären Ladengeschäft. Ein Beispiel dafür wäre „Click and Collect“. Bei diesem Vorgang bestellt der Kunde den Artikel online und holt sie anschließend in einem stationären Einzelhandelsgeschäft ab. Bei Click and Collect handelt es sich um eine Cross-Channel-Marketingstrategie, mit der für den Kunden sowohl positive Aspekte des Online-Shoppings als auch jenen der Abholung vor Ort verbunden werden können. Einerseits kann komfortabel von zu Hause recherchiert und bestellt werden, andererseits besteht trotzdem die Möglichkeit, sich vor Ort einen endgültigen Eindruck über das Produkt zu bilden. Des Weiteren entfallen die Versandkosten.

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Ablauforganisation / Zeit

Wie schnell der ganze Prozess der Kommissionierung von statten geht und wann der Kunde den gewünschten Artikel erhält, hängt von einigen zeitlichen Faktoren ab:

Basiszeit: Dazu gehören organisatorische Aufgaben vor und nach der Kommissionierung, wie die Übernahme des Auftrags, das Sortieren von Belegen, der Übergabe der Behälter und die Verarbeitung von Belegen.

Greifzeit: Sie wird auch Pickzeit genannt und setzt sich aus dem Herausnehmen von Artikeln und dem Hineinlegen von diesen in einen Behälter zusammen.

Totzeit: Die Totzeit, oder auch Nebenzeit, umfasst alle Tätigkeiten, die zwischendurch verrichtet werden müssen. Dazu gehört das Suchen des Lagerplatzes, das Kontrollieren, Zählen und Vergleichen sowie das Dokumentieren von Informationen.

Wegzeit: Die Wegzeit stellt den größten Teil der Kommissionierzeit dar. Sie fällt an, wenn zwischen zwei Entnahmen ein bestimmter Weg zurückgelegt werden muss und wird oft pro Position erfasst. Durch gut programmierte WMS-Software sollen zu lange Wegstrecken für Mitarbeiter verhindert werden.

Verteilzeit: Immer, wenn nicht produktiv gearbeitet wird, fällt eine sog. Verteilzeit an. Dazu zählt zum Beispiel, wenn ein Mitarbeiter kleine Pausen für persönliche Angelegenheiten braucht oder er schlicht und einfach gerade keine Arbeit hat, die in genau jenem Moment zu erledigen ist. Auch das Warten auf Informationen und Transportmittel ist Teil der Verteilzeit.

Kommissioniermethoden

Abhängig vom Auftrag und von der Art der Kommissionierung können folgende Methoden angewendet werden:

Parallel & auftragsorientiert

Die auftragsorientierte, parallele Kommissionierung ist eine Form der einstufigen Kommissionierung. Um einen Auftrag parallel und auftragsorientiert kommissionieren zu können, unterteilt das Unternehmen den ganzen Prozess in verschiedene Kommissionierzonen. Dann erfolgt die Auftragsbearbeitung parallel. Das heißt, dass die Arbeit in allen Zonen gleichzeitig abläuft und dadurch die Wegstrecken deutlich verkürzt werden. Dies führt dazu, dass der gesamte Kommissioniervorgang schneller ablaufen kann.

Negativ zu betrachten ist der Fakt, dass eine eigene Konsolidierungsstelle notwendig ist, um nach der Auftragsbearbeitung die einzelnen Teilaufträge wieder in einen Gesamtauftrag zusammenzuführen. Außerdem werden die Kommissionierbereiche je nach Komplexität des Prozesses sehr ungleichmäßig belastet.

Seriell & auftragsorientiert

Von einer seriellen und auftragsorientierten Kommissionierung spricht man, wenn einzelne Aufträge Schritt für Schritt abgearbeitet werden. Dadurch ist es für den Kommissionierer (oder auch Greifer u. Picker) leichter, Fehlerquellen zu erkennen. Allerdings besteht der Nachteil dieser Methode darin, dass der „Greifer“ seinen Standort zwischen mehreren Lagerzonen dauernd wechseln muss. Das kostet Zeit. Deswegen kommt es in der Praxis manchmal vor, dass jeder Lagerzone ein eigener Kommissionierer zugeordnet ist. Dann wird der Auftrag in sogenannten Übergabestellen zwischen den Kommissionierern weitergegeben. Die auftragsorientierte, serielle Kommissionierung ist auch eine Form der einstufigen Kommissionierung.

Parallel & serienorientiert

Die serienorientierte und parallele Kommissionierung ist eine Methode, bei der gleiche Artikel aus unterschiedlichen Aufträgen zu einer Serie zusammengefasst werden. Daraufhin erfolgt die Abarbeitung parallel in verschiedenen Lagerzonen. Erst nach Fertigstellung des Gesamtauftrags erfolgt die auftragsorientierte Verpackung der bestellten Waren und Güter.

Beim mehrstufigen Kommissionierungsverfahren kommt ausschließlich die serienorientierte, parallele Kommissionierung in Betracht.

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Kommissionierverfahren

Bei der Kommissionierung kann in eine Vielzahl von Verfahren unterschieden werden.

Pick-by-Paper

Dabei handelt es sich um das klassische Verfahren der Kommissionierung. Es werden Kommissionierlisten verwendet und es wird auf den Einsatz von technischer Unterstützung verzichtet. Meistens erfolgt eine manuelle Eintragung der Information aus den Listen in ein Computersystem. Dieses Verfahren hat zwar niedrige Investitionskosten, jedoch ist die Fehleranfälligkeit relativ hoch.

Pick-by-Voice

Bei dem Kommissionierungsverfahren Pick-by-Voice kommt eine Sprachsteuerung zum Einsatz. Der Kommissionierer erhält Informationen wie Lageranweisungen häufig über ein Headset. Deshalb werden bei diesem Verfahren keine Displays, Handscanner oder Eingabeterminals benötigt. Generell gilt Pick-by-Voice als ein effizientes und sicheres Kommissionsverfahren.

Pick-by-Light

Das Pick-by-Light-Verfahren ist beleglos und nicht personenbezogen. Die zu pickende Menge der Ware wird anstelle einer Pickliste am Entnahmefach mittels einer Fachanzeige oder Signallichter angezeigt. Vorteil ist die Praktikabilität und Einfachheit, Nachteil die lange und aufwendige Installationsdauer.

Pick-by-Terminal

Pick-by-Terminal erfolgt beleglos und anhand eines fest installierten Terminals, welche sich oft auf Gabelstaplern oder anderen Fahrzeugen befinden. Zur Erfassung von Codes, Chargennummer oder Seriennummer kommen oft Scanner zum Einsatz. Die Fehlerquote ist gering und das Verfahren läuft ziemlich schnell ab. Jedoch kann es zu Sprachbarrieren kommen, was die Produktivität beeinträchtigt.

Pick-by-Scan

Pick-by-Scan, oder auch Pick-by-MDE, erfolgt ebenfalls beleglos und ersetzt die Kommissionier-Liste in Papierform. Mittels mobilem Datenerfassungsgerät (MDE) wird der Mitarbeiter Schritt für Schritt durch den Prozess geführt. Zum Einsatz kommen sogenannte Handheld-Computer mit integriertem Barcodescan. Das Verfahren zeichnet sich durch Flexibilität und Zeitersparnis aus, jedoch muss man mit leicht verminderter Kommissionierleistung rechnen.

Pick-by-Point

Diese Art der Kommissionierung erfolgt papierlos und kommuniziert wird mit einem Laser, welcher im Regalgang installiert ist. Durch Laserpunkte weiß der Kommissionierer, aus welchem Fach er die Ware entnehmen muss. Pick-by-Point funktioniert meist fehlerfrei und zeichnet sich durch eine hohe Kommissionierleistung aus. Wegen der benötigten Elektronik sind aber Installations- und Wartungskosten sehr hoch.

Pick-by-Vision

Hierbei handelt es sich um ein innovatives und modernes Kommissionierverfahren, da Pick-by-Voice und Pick-by-Light miteinander kombiniert werden. Mithilfe einer Datenbrille werden dem Kommissionierer alle wichtigen Daten sowie der ideale Weg angezeigt. Sogar Barcodes lassen sich mit der Brille scannen. Zusätzlich gibt es ein Spracherkennungssystem, mit welchem der Prozess gesteuert wird. Essenziell für Pick-by-Vision ist flächendeckendes WLAN, das die Datenmenge der „Augmented Reality“-unterstützten Kommissionierung verarbeiten kann.

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Kommissioniersysteme

Die Kommissionierung kann entweder maschinell oder manuell erfolgen. Dabei gibt es jeweils verschiedenste Kommissioniersysteme.

Maschinelle Kommissioniersysteme

Kommissionierautomaten

Eine Möglichkeit, maschinell zu kommissionieren, ist die Verwendung von Kommissionierautomaten. Links und rechts neben einem Förderband befinden sich Schächte, in denen sich Güter befinden. Pro Gut gibt es jeweils einen eigenen Schacht. Ein Behälter, der schon am Systemeingang über einen Strichcode dem Auftrag zugeordnet ist, läuft für die Ausführung des Kommissionierauftrags über das Förderband. Zur richtigen Zeit kommt dann jenes Gut in den Behälter, das kommissioniert werden soll. Dies geschieht, indem sich der Schacht öffnet und das Gut ausgeworfen wird.

Kommissionierroboter

Im Zuge des technischen Fortschritts werden auch immer häufiger bei der Kommissionierung verwendet. Diese „Kommissionierroboter“ bekommen vom Lagerrechner automatisch Informationen über Auftragsnummer, Stückzahl, Gewicht und Lagerort der Güter zugesendet. Nach Erhalt eines Auftrags können die Roboter das richtige Regalfach ansteuern und das Gut aus dem Fach entnehmen. Meist geschieht dies mit Hilfe eines Greifsystems aus Saugnäpfen. Das Gut legen sie dann in einen Behälter, den die Roboter mit sich führen. Zur Lagererkennung der Güter sind die Maschinen mit einem Bildverarbeitungssystem ausgestattet. Die richtige Entnahmemenge wird über das Gewicht ermittelt.

Manuelle Kommissioniersysteme

Person-zur-Ware-Systeme

Hierbei handelt es sich um die sogenannte statische Bereitstellung oder auch statische Kommissionierung. Das heißt, dass der Kommissionierer zum Lagerplatz geht, um die Ware zu entnehmen.

Ware zur Person-Systeme

Diese Systeme werden auch als dynamische Bereitstellung bezeichnet. Dabei gibt es digital gesteuerte Lagerräume, aus denen die Artikel über ein Fließband direkt zum Kommissionierer befördert werden. Durch diese „automatische Kommissionierung“ werden Durchlaufzeiten und Transportwege verringert.

Fazit

Es gibt eine Vielzahl an verschiedenen Kommisionierarten- und systemen. Dabei gibt es kein besser und schlechter, da die ideale Kommissionierung stark von der Art des Unternehmens und auch dessen Größe und Auftragsvolumen abhängt. Kapitalintensive Systeme und Arten werden demnach für kleine Betriebe uninteressant sein, während sie für Unternehmen mit großem Auslieferungsvolumen durchaus ideal sein können.

Jedoch gibt es auch kein ewig geltendes Prinzip. Bei ständiger Skalierung eines Unternehmens und dem Anpassen des Produktportfolios wird in der Praxis auch das Lagersystem oft fortlaufend angepasst. Neue Produkte können bspw. ein neues Kommissioniersystem verlangen. Demnach ist die Wahl des Systems individuell, hängt von einer Vielzahl an internen Faktoren ab und sollte mit Bedacht getroffen werden.

Tim Lutz

Tim Lutz

Mein Name ist Tim Lutz und ich bin der Fachbereichsleiter von Mindlogistik. Ich beschäftige mich schon seit vielen Jahren mit Logistiklösungen im SAP Umfeld.

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