SAP MRP

Die bedarfsgerechte Versorgung eines Unternehmens mit Material ist von hoher Bedeutung für eine reibungslose Produktion und die Kundenzufriedenheit. Um diese Ziele zu erreichen, kann SAP MRP eingesetzt werden. Was verbirgt sich im Detail hinter diesem Begriff? Welche Funktionen stellt SAP MRP bereit und wie wird es eingesetzt?

Was ist SAP MRP?

Bei SAP MRP (Material Requirement Planning) handelt es sich um die Materialbedarfsplanung in SAP-Systemen. Die Kernaufgabe von SAP MRP ist es, die termingerechte Verfügbarkeit von Materialien für die Produktion oder den Verkauf sicherzustellen. Hierzu bedient sich die Materialbedarfsplanung verschiedener Daten und Belege aus den Unternehmensbereichen Lager, Produktion, Verkauf und Einkauf.

Insbesondere Disponenten profitieren von der SAP-Komponente, da sie die Planung von Bedarfen und somit auch die Sicherstellung des Nachschubs weitreichend unterstützt und (teil-)automatisiert.

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Funktionsweise und Prozess

Die Materialbedarfsplanung findet in SAP grundsätzlich auf Ebene eines Werks statt. Bündelt ein Unternehmen unter dem Werk mehrere organisatorische Einheiten, so kann die Planung mithilfe sogenannter Dispositionsbereiche (MRP-Bereiche) bei Bedarf detailliert werden.

MRP-Lauf (Planungslauf)

Die zentrale Funktion von SAP MRP ist der Planungslauf, welcher wahlweise manuell oder automatisiert (in definierten Zeitabständen) angestoßen werden kann. Dieser Planungslauf (auch: MRP-Lauf, Dispositionslauf) ermittelt zunächst sämtliche Materialbedarfe eines Werks für einen definierten Zeitraum. Die Bedarfe selbst können auf unterschiedliche Weise entstehen – beispielsweise durch Produktions- und Kundenaufträge.

Im zweiten Schritt wird der Bedarf dann mit dem aktuellen Lagerbestand abgeglichen. Es werden zudem die aktuell vorliegenden Materialreservierungen und bereits getätigte, jedoch noch nicht belieferte Bestellungen berücksichtigt.

Der Planungslauf kann aufgrund dieser Berechnungslogik mit zwei unterschiedlichen Ergebnissen enden:

  • Der Bedarf ist durch den Bestand und die geplanten Zugänge gedeckt.
  • Bestand und geplante Zugänge reichen nicht aus, um den Bedarf zum definierten Datum zu decken.

In letzterem Fall – also bei einer Unterdeckung – generiert SAP MRP abhängig vom Material entweder Bestellanforderungen für den Einkauf oder Produktionsvorschläge für die Fertigung.

Dispositionsbereiche in SAP MRP

Wie eingangs erwähnt, dienen die Dispositionsbereiche einer differenzierteren Materialbedarfsplanung. So ist es mit ihrer Hilfe möglich, die Planung für eigenständige Organisationseinheiten wie verschiedene Verkaufs- und Produktionsstandorte, Lagerorte oder Lohnbearbeiter (Subunternehmer) getrennt durchzuführen.

Steuerung der Materialbedarfsplanung

Der MRP-Lauf kann innerhalb eines SAP-Systems mithilfe zahlreicher Parameter beeinflusst werden. Abhängig von individuellen Anforderungen lassen sich beispielsweise folgende Verhaltensweisen realisieren:

  • Prognosen des zukünftigen Bedarfs fließen in die Planung ein.
  • Die Planung berücksichtigt bestimmte Losgrößen.
  • Nachschub wird erst beim Unterschreiten eines definierten Meldebestands angefordert.
  • Das Lager wird ausschließlich bis zu einem definierten Höchstbestand aufgefüllt.
  • Der Mindestbestand wird bei der Bedarfsplanung berücksichtigt.
  • Die Wiederbeschaffungszeit fließt in die Planung ein.
  • Bevorstehende Materialzugänge (von Lieferanten) werden in der Planung erst berücksichtigt, wenn eine Auftragsbestätigung oder ein Lieferavis vorliegt.

Die Liste der Beispiele lässt sich noch weiter fortsetzen. Deutlich wird jedoch, dass der MRP-Prozess sehr detailliert gestaltet werden kann. Dies wiederum erlaubt eine weitreichende Automatisierung der Planungs- und Beschaffungsvorgänge.

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SAP MRP: Vor-und Nachteile

Vorteile

Neben den bereits genannten Faktoren (Sicherung der Materialverfügbarkeit, hoher Automatisierungsgrad, deutliche Entlastung von Disponenten, individuelle Konfigurationsmöglichkeiten) liegt der wesentliche Vorteil von SAP MRP in der vollständigen Prozessintegration.

Sämtliche Unternehmensbereiche, die Materialbedarf generieren oder diesen decken müssen, agieren im SAP-System auf Basis einheitlicher, aktueller Daten. Dies spart Kosten und reduziert die Fehlerquote. Gleichzeitig unterstützt SAP MRP die Optimierung von Lagerbeständen, was sich wiederum in Gestalt einer niedrigeren Kapitalbindung äußert.

Mit SAP MRP können die Bedarfe selbst auf unterschiedliche Weise entstehen - beispielsweise durch Produktions- und Kundenaufträge

Nachteile

Als Nachteil kann angesehen werden, dass SAP MRP aufgrund der zahlreichen Parameter schwierig aufzusetzen ist. Zudem gilt der MRP-Lauf als speicherintensiv, weshalb er teils nicht in der eigentlich notwendigen Häufigkeit stattfinden kann.

Viele Unternehmen planen ihn beispielsweise nachts ein, um keine Performance-Probleme im laufenden Geschäft zu verursachen. Diese Problematik möchte SAP allerdings mit der neuen Applikation MRP Live lösen (siehe nächster Abschnitt).

SAP MRP Live on HANA

Neben dem klassischen SAP MRP steht als Alternative bzw. Ergänzung mittlerweile die Anwendung „SAP MRP Live on HANA“ zur Verfügung. Da MRP Live auf der In-Memory-Technologie HANA basiert, lässt sich eine deutlich schnellere Verarbeitung der planungsrelevanten Daten realisieren. Disponenten haben somit die Möglichkeit, die Materialbedarfsplanung in höherer Frequenz durchzuführen, ohne mit Performance-Problemen rechnen zu müssen.

Daraus resultiert wiederum, dass aktuellere Informationen zur Bedarfssituation vorliegen. Insbesondere in Szenarien mit eng geplanten Fristen (z. B. Just-in-time) und komplexen Lieferketten ist dies ein klarer Pluspunkt.

SAP MRP Live on HANA im Anfangsstadium

Zu beachten ist, dass sich SAP MRP Live on HANA im Anfangsstadium befindet. Es deckt daher noch nicht alle Funktionen der klassischen Materialbedarfsplanung ab. Allerdings wird die neue Applikation stetig weiterentwickelt und besitzt schon jetzt Features, die SAP MRP nicht zu bieten hat:

  • Planung der standortübergreifenden Materialverteilung
  • Planung eines Materials an bestimmten Standorten und den zugehörigen Lieferstandorten (Planung entlang der gesamten Lieferkette)
  • MRP Live Cockpit: Mehrere Dashboards zur Überwachung von KPIs (z. B. Lieferverzögerungen von Lieferanten, verspätete Lieferungen an Kunden, bevorstehende Materialengpässe)
  • Simulation eines „Was-wäre-wenn-Szenarios“ (z. B. zur Planung erforderlicher Bestände, Finanzmittel und Produktionskapazitäten)

Fehlt eine bestimmte Funktion, wechselt MRP Live im Übrigen automatisch zur alten MRP-Version. Es findet also ein Parallelbetrieb statt, solange die neue Anwendung noch nicht alle Funktionsbereiche abdeckt.

Fragen?

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