Cedric King
 - 11. Dezember 2019

Losgröße 1

Losgröße 1 (auch Mass Customization) beschreibt die Herstellung von Sonderanfertigungen (Einzelstücken) durch Unternehmen, die der Serien- oder Massenfertigung angehören. Dahinter verbirgt sich der zunehmend stärker werdende Wunsch von Kunden, Produkte individuell gestalten zu können. Die Erreichung dieses Ziels ist für Produktionsunternehmen mit zahlreichen Herausforderungen in puncto Prozesse, IT und Organisation verbunden.

Zielkonflikt zwischen optimaler Losgröße und Losgröße 1

Unter einem Los ist eine zusammengefasste Stückzahl eines bestimmten Produkts zu verstehen, welche aufeinanderfolgend und ohne Unterbrechung gefertigt wird. Um die Herstellung möglichst kostengünstig zu gestalten, ermitteln Produktionsunternehmen bereits seit Jahrzehnten die sogenannte optimale Losgröße. Dies ist die Stückzahl, bei der die Stückkosten am geringsten sind. Beeinflusst werden die Stückkosten wiederum von verschiedenen Parametern – darunter die Lagerhaltungskosten und Rüstkosten (Vorbereitung der Maschinen für die Herstellung des Loses).

Bei traditionellen Fertigungsverfahren liegt die optimale Losgröße fast immer bei einem Wert größer 1. Dies liegt schlicht daran, dass die häufige Umrüstung von klassischen Produktionsanlagen mit hohen Kosten verbunden ist. Das Ziel war es somit bisher, den Variantenreichtum und die Individualisierungsmöglichkeiten von Produkten im Rahmen zu halten. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, spielt die Anpassbarkeit von Erzeugnissen jedoch eine immer größere Rolle. Serienfertiger kommen kaum noch umhin, personalisierte Produkte bis hin zu Losgröße 1 anzubieten. Die Herausforderung besteht nun darin, trotz der damit einhergehenden Komplexität wirtschaftlich und schnell zu produzieren. Möglich ist dies nur mit modernen Technologien, welche der Industrie 4.0 zuzuordnen sind.

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Technologische Voraussetzungen

Um variantenreiche Artikel bis hin zu Losgröße 1 gewinnbringend und kostengünstig herstellen zu können, ist eine weitgehende Digitalisierung und Automatisierung der Prozesse unumgänglich. Dies umfasst nicht nur die Produktion selbst, sondern auch die vor- und nachgelagerten Prozesse entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Materialflüsse müssen über die Grenzen des Unternehmens hinweg in einem geeigneten zentralen System abgebildet und somit transparent gestaltet werden. Ermöglicht wird dies durch intelligent vernetzte Lieferketten und den Einsatz moderner Unternehmenssoftware (i. d. R. ERP und MES).

  • Hinsichtlich der Automatisierung von Fabriken sind jedoch noch weitere Technologien relevant. Zu nennen sind insbesondere die folgenden:
  • Industrielles Internet of Things (IIoT): Liefert Daten aus Produktionsanlagen, Produkten und der Logistik in Echtzeit
  • Künstliche Intelligenz: Ist in der Lage, Daten zu interpretieren und Abläufe eigenständig zu optimieren
  • Big-Data-Analysen (ebenfalls KI-gestützt): Präzise Vorhersage von Nachfragesituationen und Marktveränderungen durch Kombination großer Datenmengen aus unterschiedlichen Quellen
  • Robotik: Bringt höhere Flexibilität in die Produktion und erhöht die Geschwindigkeit
  • Additive Produktionsverfahren (insbesondere 3D-Druck): Ermöglicht die Herstellung von Sonderanfertigungen ohne Umrüstung
  • Automation der Logistik: (KI-gestützte) fahrerlose Transportsysteme, Roboter

Software-Lösungen für Losgröße 1 und Industrie 4.0

Die Digitalisierung der Wertschöpfungskette beginnt bereits beim Kunden. Im B2C-Bereich werden an dieser Stelle im Regelfall webbasierte Konfiguratoren zur Verfügung gestellt, mit denen Endkunden ihr Produkt individuell gestalten können. Im B2C-Sektor handelt es sich um technisch spezifischere Konfigurationslösungen.

Die Auftragserteilung (Bestellung) erfolgt ebenfalls elektronisch. Spätestens an dieser Stelle kommen ERP-Systeme wie SAP ins Spiel, die den Kundenauftrag erfassen und an die Produktionsplanung in Gestalt eines MES (Manufacturing Execution Systems) weitergeben. Bereits in diesem Prozessschritt bestehen im Kontext von Losgröße 1 besondere Anforderungen. Im Gegensatz zu traditionellen Planungsläufen, die über Nacht erfolgten, muss die Einplanung des neuen Produktionsauftrags möglichst in Echtzeit realisiert werden. Hierfür müssen wiederum sämtliche Ressourcen und Kapazitäten ebenfalls in Echtzeit bekannt sein.

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Integration zwischen Materialwirtschaft und Produktion

Bedeutsam für Losgröße 1 ist zudem eine vollständige Integration von Produktionsplanung und Bestandsverwaltung, um eine termingerechte Materialversorgung sicherzustellen. Dieses Zusammenspiel von Produktion und Materialwirtschaft ermöglicht es im Falle fehlender Materialien, umgehend eine Bestellung bei Zulieferern zu platzieren. Auch in diesem Fall muss die Kommunikation elektronisch und ohne Zeitverzug stattfinden. Hierfür stehen spezielle Plattformen und Systemintegrationen zur Verfügung. Zudem müssen die Lieferanten eine ähnliche Flexibilität gewährleisten, wie der OEM selbst.

Automatisierungstechnologien

Sowohl in der Warenwirtschaft als auch in der Produktion ist im weiteren Verlauf ein hoher Automatisierungsgrad gefordert, um Losgröße 1 wirtschaftlich realisieren zu können. Dies beginnt beim Wareneingang und der Materialbereitstellung, bei der beispielsweise fahrerlose Transportsysteme zur Anwendung kommen können. Auch der Maschinenpark muss flexibel gestaltet sein, um auf individuelle Kundenanforderungen schnell reagieren zu können. Hier spielt der Einsatz von modernen Robotern und vernetzbaren Maschinen, die untereinander kommunizieren, eine wichtige Rolle.

Echtzeitsteuerung mithilfe von Sensordaten

Alle technischen Systeme der Materialwirtschaft und Produktion müssen in Echtzeit mit einem Leitstand (MES) kommunizieren, um agil auf Veränderungen reagieren zu können. Hierfür kommen verschiedenen Sensoren an Maschinen und Werkstücken (IIoT) zur Anwendung, die fortlaufend Daten zu ihrem aktuellen Zustand übermitteln. Die Mitarbeiter des Leitstands haben mittlerweile die Möglichkeit, sich von künstlicher Intelligenz unterstützen zu lassen, um die komplexen Zusammenhänge besser zu beherrschen. Abgerundet wird der „Losgröße-1-Prozess“ durch (teil-)automatisierte Qualitätskontrollen.

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Beispiele für Software-Lösungen

Als führender Anbieter von Unternehmenssoftware hat SAP mittlerweile mehrere Lösungen im Portfolio, die den Ansprüchen der Industrie 4.0 gerecht werden und die „Massenpersonalisierung“ von Produkten ermöglichen. Zu nennen sind insbesondere:

FAQ

Was versteht man unter Losgröße?

Im Rahmen der Fertigung beschreibt die Losgröße, die zu einem Los zusammengefasste Stückzahl einer bestimmten Produkt- oder Bauart, die hintereinander und ununterbrochen gefertigt wurden. Jede Umrüstung verursacht Rüstzeiten und -kosten, da währenddessen nicht produziert werden kann. Folglich ist es sinnvoll, relativ große Lose herzustellen. Diese bringen jedoch auch hohe Lagerbestände und somit Lagerkosten mit sich.

Was ist die Losgröße 1?

Die Losgröße 1 ist gleichbedeutend mit der Sonderanfertigung durch Unternehmen. Allerdings gehen mit ihr auch einige Herausforderungen einher. Einerseits gilt es trotz der Komplexität eine wirtschaftliche und schnelle Produktion sowie andererseits die Anpassbarkeit von Erzeugnissen zu gewährleisten.

Warum Losgröße 1?

Die Aufgabe der Losgröße 1 besteht darin, den Kundenwünschen hinsichtlich der individuellen Gestaltung der Produkte nachzukommen. Um jedoch trotz Losgröße 1 eine gewinnbringende und kostengünstige Herstellung zu gewähren, ist eine Digitalisierung und Automatisierung der Prozesse von Nöten.

Was versteht man unter der optimalen Losgröße?

Die optimale Losgröße bezeichnet die Stückzahl, bei der die Stückkosten am geringsten sind. Die Kosten pro Stück werden hierbei von verschiedenen Faktoren, wie z.B. den Lagerhaltungskosten, Rüstkosten u.a. beeinflusst. Bei traditionellen Fertigungsverfahren nimmt die optimale Losgröße daher fast immer einen Wert größer 1 an.

Cedric King

Cedric King

Mein Name ist Cedric King und ich bin begeisterter SAP Consultant bei mindsquare. Wie meine Kollegen habe ich mein Hobby zum Beruf gemacht.

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