Tim Lutz
10. Mai 2023

SAP PP unter S/4HANA

SAP PP unter S/4HANA

Im Jahr 2027 wird der Support für das SAP ECC auslaufen. Bis dahin sollten Unternehmen den Sprung zu SAP S/4HANA geschafft haben. Mit der Transformation zu S/4HANA unterliegt auch die Produktionsplanung einem Wandel, der im Hinblick auf die Weiterentwicklung von SAP PP viele Fragen aufwirft. Welche Änderungen mit S/4HANA im PP-Modul gemacht und welche neuen Tools eingeführt wurden, erfahren Sie in diesem Artikel.

Was ist SAP S/4HANA?

HANA ist eine Datenbank, die auf Grundlage der In-Memory-Technologie läuft. Das bedeutet, dass sie anstatt auf einer Festplatte auf einem zentralen, hocheffizienten Arbeitsspeicher Informationen speichert und verarbeitet. Somit sind viele Daten und einhergehende Unternehmensprozesse in Echtzeit verarbeitbar.

S/4 ist eine extra für diese Datenbank erstellte Software und nutzt die Stärken von HANA aus. Vorher waren Datenbank und ERP voneinander getrennt und austauschbar. Das ist jetzt nicht mehr der Fall – S/4 und HANA sind eine Einheit. Dadurch ergeben sich angefangen mit der Produktions- und Feinplanung viele Änderungen in der Produktionsplanung.

Neue Tools für die Produktion in S/4HANA

Produktions- und Feinplanung (PP/DS)

Abhängig davon, wie hoch der Bedarf eines Produktes ist, braucht es für die Produktion angepasste Ressourcenmengen innerhalb eines bestimmten Zeitraumes. Die Produktions- und Feinplanung in SAP PP ermöglicht eine zeitlich angepasste Beschaffung dieser Ressourcen. In den vorherigen SAP-Versionen war eine ähnliche Funktion der Produktions- und Feinplanung unter SAP APO im Supply Chain Management (SCM) möglich. Kurz gesagt musste hierbei immer ein Datenaustausch zwischen zwei Komponenten, dem ERP und SAP SCM über das Core Interface (CIF) stattfinden.

Das wird nun insofern erleichtert, dass der gesamte Ablauf in SAP PP unter S/4HANA durchgeführt werden kann. Zu den neuen Funktionalitäten gibt es Standardheuristiken bzw. Planungsfunktionen, die eine Beschaffung und ihre Planung flexibler, effizienter und zum Teil automatisierter machen.

Ein zentraler Bestandteil von PP/DS ist die Kapazitätsplanung im Planungslauf. Das System erkennt hier schneller aufkommende Platzprobleme, die das Personal schon in der Planung vermeiden kann. Diese Platzprobleme werden mithilfe eines Alerts angegeben. Grundlage dafür sind Peggingbeziehungen, also der Zugang und Abgang von Material und der damit einhergehende verfügbare Platz.

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Product Engineering and Operations (PEO)

Mit SAP PP unter S/4HANA ist ein neues Tool namens „Product Engineering and Operations“, kurz PEO, released worden. PEO ist komplett in S/4HANA integriert und bietet eine effektive Kommunikationsebene für Engineering und Manufacturing. Zunächst bildet PEO einen Arbeitsplan mit mehreren Ebenen ab. In den Ebenen können Mitarbeiter Detailinformationen wie 3D-Modelle einsetzen. Als zentrales Werkzeug dient hier der 3D-Visual Enterprise Manufacturing Planner, in den Sie Fertigungsstrukturen einfügen und bearbeiten können.

Die Change-Impact Analyse ist ein weiteres neues Tool innerhalb der PEO, das Sie bei auftretenden Änderungen in der Fertigung nutzen können. Mithilfe der Funktion können Verantwortliche ermitteln, was von den Änderungen betroffen ist. Darunter fallen unter anderem Arbeitspläne und Stücklisten. Im Übrigen gibt es für diese beiden Faktoren eine neue Versionsverwaltung. Stücklisten und Arbeitspläne sind nur noch in freigegebenen Versionen verfügbar. Sollten Sie an diesen Übersichten Änderungen durchführen, wird die aktuelle Version freigegeben. So ist gesichert, dass jeder in der Produktion immer auf dem neusten Stand bleibt.

Sollten Materialien eine Nachbearbeitung benötigen, legen Planer Nacharbeitspläne an. Diese können Sie mit Fehlercodes verknüpfen, sodass Sie individuelle Probleme pro Material einsehen und definieren können. Mitarbeiter können hier per App ungeplante Materialien hinzufügen.

Im PEO sind auch neue Fiori-Apps verfügbar. Darunter fallen unter anderem:

  • „Vorgangsaktivität durchführen“: In der App können Sie Aktivitäten anhalten und Vorgänge rückmelden. Sie stellt viele Detailinformationen, wie bspw. Arbeitsanweisungen, bereit.
  • „Change-Impact-Analyse“: Die App bildet die Change-Impact-Analyse übersichtlich ab. Mitarbeiter ermitteln hier Änderungen an Fertigungsobjekten und können daraus resultierende Maßnahmen ergreifen.
  • „Aktionsprotokoll Fertigung“: Dieses Programm liefert eine Übersicht über einzelne Aktionen zu Aufträgen, Vorgängen und Aktivitäten. Mit entsprechenden Selektierungen können Sie hier gesonderte Aktionen aufrufen. Somit liefert dieses Programm eine wichtige Grundlage für eine Fehler- und Ursachenanalyse.

Demand Driven Material Requirements Planning (DDMRP)

Innerhalb einer Lieferkette kommt es teilweise zu einem Stau des Materialflusses. Grund dafür ist ein mangelnder Spielraum an Ressourcen an verschiedenen Stationen entlang der Supply Chain. Dies sorgt für wenig Flexibilität.

Das Demand Driven Material Planning (DDMRP) sorgt innerhalb von SAP PP dafür, dass der Materialfluss in der Supply Chain konstant bleibt. Eine bedarfsorientierte Wiederbeschaffung in Verbindung mit strategischen Puffern innerhalb der Kette minimiert dabei das Risiko eines Peitscheneffekts (Bullwhip-Effekt). Zunächst können Sie durch das Tool sicherstellen, dass in den verschiedenen Stationen in der Kette keine Überforderung eintritt. Das ist der Fall, wenn die jeweiligen Stellen zu viel Material bearbeiten und somit aufschieben müssen. Stattdessen gibt es bei den Stationen bereits Pufferbestände, auf die Sie bei einer unerwarteten Anfrage sofort zugreifen können.

Produktionsprozesse handschriftlich zu dokumentieren ist aufwendig, zeitintensiv und fehleranfällig. Dank der Digitalisierung können solche Prozesse mithilfe der mobilen Datenerfassung digital abgebildet und vereinfacht werden. Wir zeigen Ihnen, welche SAP PP Apps es für die Prozessindustrie gibt.

Predictive Material and Ressource Planning (pMRP)

Als Hilfestellung im zuvor beschriebenen Demand Driven Material Requirements Planning kann das „Predictive Material and Ressouce Planning“ dienen (pMRP). Das DDMRP ist von einer korrekten Einschätzung eines Bedarfs abhängig, um die korrekte Menge an Pufferbeständen an strategischen Punkten entlang der Kette zu wahren. Das pMRP hilft dabei, die Bedarfseinschätzung stetig anzupassen. Eine Simulation zur Identifikation von Kapazitätsproblemen dient dabei als Grundlage für Entscheidungen bei geänderten Planungsbedingungen.

Echtzeit-Analytik in S/4HANA –  Live-MRP

Es bedarf einer passenden Ressourcenbeschaffung, damit eine nahtlose Produktion verschiedener Materialien möglich ist. MRP (Material Requirements Planning) ist eine Berechnung, die eine Menge der benötigten Ressourcen an die Produktionsauslastung und Lagerkapazitäten anpasst. Neben dem klassischen MRP, welches vorwiegend aufgrund seines hohen Leistungsaufwand nachts durchgeführt wird, gibt es nun auf der HANA-Datenbank eine Materialbedarfsplanung in Echtzeit.

MRP-Live kann mehrere MRP-Läufe starten und somit sehr flexibel auf Bedarfe reagieren. Dabei ist zu beachten, dass MRP-Live einen höheren Bedarf als die klassische Variante ausgibt, da das Tool eine Berechnung aller Materialen auf der kompletten Datenbank durchführt. Hier gibt es auch schon Weiterentwicklungen, z. B. die Berechnung von Materialien abhängig vom Disponenten.

Der klassische MRP-Lauf hingegen ist besser geeignet zur Planung spezifischer Materialien in kleinen Mengen. In der klassischen Version sind mehr Funktionen enthalten, die mit der Zeit für MRP-Live aktualisiert werden. Zurzeit sind beide Varianten des MRP-Laufs in SAP PP unter S/4HANA kompatibel. Kommt MRP-Live aufgrund der Vorgaben oder dem Mangel spezifischer Funktionen an seine Grenze, übernimmt der klassische MRP-Lauf. Mehr dazu finden sie hier.

Zusätzliche Änderungen in S/4HANA

Angepasste Lohnbearbeitung in S/4HANA

Lohnbearbeiter fielen in der vorherigen Version im SAP PP unter die Dispositionsbereiche. Daher mussten für sie Materialstammdaten gepflegt werden. Standardplanungsparameter helfen Ihnen nun dabei, die Planungen generalisierter durchzuführen, während Sie nun keine dispositionsspezifischen Materialstammdaten mehr anlegen müssen.

CDS-Views

CDS-Views bieten eine Programmierungsplattform, auf der Strukturen, Daten und ihre Beziehung zueinander ersichtlich festgehalten werden. Mitarbeiter können auf S/4HANA diese Daten und Programmierungen sehr schnell abwickeln, was zum Beispiel zu Vorteilen in den Fertigungsanalysen führt. Wenn eine Fertigungsanalyse für ein Material schon einmal durchgeführt wurde, dient diese nicht nur als Basis für zukünftige Analysen, sondern auch als Schablone. Somit müssen Beschäftigte nur wenige Daten ergänzen und keine komplett neue Analyse anfertigen. Dadurch ist ein effektiveres Reporting bei wesentlich geringerem Speicherverbrauch in SAP PP möglich.

Welche Möglichkeiten in CDS-Views unter HANA noch möglich sind, finden Sie hier.

Variantenkonfiguration

Bei der Variantenkonfiguration können Sie Anpassungen an Produkten kundenabhängig tätigen. Diese Änderungen müssen aber auch in anderen Teilen der Wertschöpfungskette sinnvoll ein- und umgesetzt werden. Somit ist beispielsweise eine Anpassung von Arbeitsplänen oder Bedarfsplanungen notwendig. In SAP S/4HANA sind dafür keine externen Tools nötig, da Sie dies direkt in der Software bzw. der Datenbank abwickeln können. Durch die schnelle Verarbeitung der Datenbank können Sie somit schnell Serviceaufträge erstellen.

Vorteile von SAP PP unter S/4HANA

Durch den Einsatz von S/4HANA ist im Vergleich zu SAP ECC ein gewaltiger Fortschritt in der Produktionsplanung erzielt worden. Die Vorteile einer Zeitersparnis in Planungsprozessen und einer gesichert fortlaufenden Produktion resultieren unter anderem aus diesen Faktoren:

  • Aufgrund der hohen Belastbarkeit und Effektivität der HANA-Datenbank, können nun viele Prozesse wie der Live-MRP parallel ablaufen.
  • Neuste Tools wie der pMRP (Predictive Material and Ressource Planning) oder DDMRP (Demand Driven Material Requirements Planning) ermöglichen es, Planungen zu simulieren und langfristig anzulegen.
  • Prozesse können neben einer gewissenhaften Planung auch besser für Mitarbeiter in der Produktion in detaillierten Arbeitsplänen innerhalb der PEO (Product Engineering and Operations) eingesehen werden.
  • CDS-Views helfen dabei, schnell Fertigungsanalysen anzustellen, die eine Basis für zukünftige Prozessoptimierungen sind.
Kennen Sie die Probleme von mangelnder Transparenz, hoher Fehleranfälligkeit und aufwendigen manuellen Prozessen in der Produktion? Das können Sie ändern und wir zeigen Ihnen wie!

Fazit

SAP S/4HANA bildet die Grundlage für eine schnelle und effiziente Datenverarbeitung. Innerhalb der Software wird sich diese Effizienz beispielsweise in SAP PP in der Produktionsplanung zu Nutze gemacht. Neben neuen Funktionen wie der PEO oder aktualisierten Vorgängen wie der Lohnbearbeitung und PP/DS ist nun effektives und schnelles Arbeiten in der Produktion möglich. Dank der In-Memory-Technologie können Sie schneller auf Änderungen und Bedarfe eingehen und somit bessere, zeitsparende Planänderungen durchführen. So ist eine strukturierte und konstante Produktion gesichert.

Brauchen Sie Hilfe bei der Umstellung auf S/4HANA oder bei der Optimierung Ihrer Produktionsprozesse? Dann melden Sie sich gerne bei uns.

Tim Lutz

Tim Lutz

Mein Name ist Tim Lutz und ich bin der Bereichsleiter IT für Produktion und Logistik. Ich beschäftige mich schon seit vielen Jahren mit Logistiklösungen im SAP Umfeld.

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