Tim Lutz
28. Juli 2022

Massenfertigung

Die Massenfertigung ist 1913 dank Henry Ford und dessen konsequenter Umsetzung beim Autobau ein wahrer Durchbruch gewesen. Hierdurch wurde es zum ersten Mal möglich, Autos massenhaft herstellen und anschließend auch verkaufen zu können. Mittlerweile ist das bereits über 100 Jahre her, womit man vielleicht denken könnte, dass die Massenproduktion vielleicht überholt sein könnte. Aber gerade in Anbetracht künstlicher Intelligenzen, der Industrie 4.0 sowie der stetig fortschreitenden Digitalisierung und Automatisierung wird deutlich, dass die Massenfertigung heutzutage noch viel mehr Potential hat als damals.

Definition: Massenfertigung

Die Massenfertigung stellt ein Fertigungsverfahren dar, welches sicherstellt, dass ein bestimmtes Produkt in großen Mengen produziert wird. Die hergestellte Menge ist allerdings nicht zeitlich begrenzt, was heißt, dass fortwährend und massenhaft produziert wird, was sich insbesondere für große Projekte anbietet. Inhaltlich ist die Massenfertigung nach der Einzel- und Serienfertigung einzuordnen, da hierbei die größten Stückmengen realisiert werden können.

Damit lassen sich auf dem Markt enorm große Nachfragen decken, was gerade in Industriegesellschaften vorteilhaft ist. Unternehmen wiederum haben den Vorteil, dass die eigenen Produktionsanlagen nicht umrüsten müssen und die bereits vorhandenen Maschinen nutzen können. Die Stückmenge bei einer Massenfertigung ist nicht vorbestimmt, da der Fokus weniger auf der genauen Anzahl der Produkte und mehr auf der Tatsache liegt, dass möglichst viele Produkte möglichst effizient produziert werden können.

Bei der Massenfertigung gibt es keinerlei Serien oder Produktionsauflagen, sondern es wird kontinuierlich und mithilfe von Schichten produziert. Zu den Branchen, die häufig auf die Massenfertigung als Fertigungsform setzen, zählen:

  • Energiebranche
  • Lebensmittelindustrie
  • Elektronikindustrie
  • Automobilindustrie
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Ziele der Massenfertigung

Die Massenfertigung hat das Ziel, gleiche Produkte in einer großen Stückmenge schnell, kosteneffizient und in einer ansprechenden Qualität produzieren zu können. Dementsprechend sollte sie gerade dann in Unternehmen eingesetzt werden, wenn:

  • sehr große Mengen des gleichen Produkts von Ihren Kunden nachgefragt werden, wie beispielsweise Kopfschmerztabletten, Strom, Kekse, Bier etc.
  • sehr viele Neubestellungen vom gleichen Produkt auftreten, weshalb ein sehr hohes Maß an Wiederholung gefragt ist.

Kennzeichen der Massenfertigung

Die Massenfertigung sieht keinerlei Produktionsstops vor, weshalb die gewünschten Produkte so lange produziert werden, wie die Nachfrage durch den Kunden besteht. Wenn man einen Blick auf die Lebensmittelindustrie wirft, werden zahlreiche, unterschiedliche Produkte parallel hergestellt.

Auf die Wünsche der Kunden wird in dieser Hinsicht weniger eingegangen, was auch gleichzeitig einen wichtigen Unterschied zwischen der Massen- und Einzelfertigung darstellt.

Den durch die großen Stückmengen verursachten großen Lagerhaltungskosten kann man teilweise entgegenwirken, indem die Produktions- und Logistikabläufe gestrafft werden. Außerdem muss keinerlei Umrüstung der Produktionsanlagen stattfinden, was ebenfalls zu Kostenersparnissen beiträgt. Die Fixkostendegression führt ebenfalls dazu, dass das Unternehmen durch gesenkte Stückkosten Kostenersparnisse erzielen kann. Das bedeutet, dass die Massenfertigung sehr effizient ist, weil hierdurch beispielsweise auch Großbestellungen der benötigten Ressourcen mit Mengenrabatten begünstigt werden.

Ein Beispiel, wie das selbst auf einem Markt mit sich kontinuierlich verändernden Produkten funktionieren kann, ist Apple. Dort werden die Produktionsanlagen vergangener Smartphones nicht stillgelegt, sondern nur zu einem geringen Maße umgerüstet, um die kostengünstige Massenfertigung von Smartphones mit leicht veränderten Spezifikationen zu ermöglichen. Das ist beispielsweise beim iPhone SE der Fall, welches auf das Gehäuse setzt, was bereits einige Jahre zuvor beim iPhone 8 genutzt wurde.

Vor- und Nachteile der Massenfertigung

Die Massenfertigung kann Unternehmen schnell und effektiv dabei helfen, das gleiche Produkt in sehr großen Stückmengen zu produzieren. Dabei ist sie jedoch eine Fertigungsart, die zahlreiche Schnittstellen zu anderen Bereichen im Unternehmen hat, weshalb eine Nutzung vorher sorgfältig durchdacht werden sollte. Um in dieser Hinsicht einen besseren Überblick gewährleisten zu können, sollen an dieser Stelle die Vor- und Nachteile der Massenfertigung näher beleuchtet werden.

Vorteile der Massenfertigung

Die Massenfertigung bringt einige Vorteile mit sich, die richtig angewandt dem eigenen Unternehmen dabei helfen können, die wirtschaftlichen Ziele auf eine effektive und effiziente Art und Weise zu erreichen.

Die Massenfertigung stellt ein sehr günstiges Fertigungsverfahren dar, weil Veränderungen am produzierten Produkt der Regel nach nicht auftreten. Hierdurch werden Forschungs- und Entwicklungskosten gespart und der Stückpreis deutlich gesenkt.

Darüber hinaus bringt die Massenfertigung auch den Vorteil mit sich, dass die Produktionsprozesse aufgrund der verbesserten Planbarkeit optimiert werden können. Die Fertigung kann aufgrund des immer gleichen Produkts standardisiert werden, was beispielsweise auch eine bessere Qualität ermöglicht.

Die Produktivität der Massenfertigung ist sehr hoch, weil es zu keinerlei Stillstandzeiten kommt. Im Schichtbetrieb kann rund um die Uhr und an jedem Tag in der Woche gearbeitet werden, was zu einer verbesserten Planbarkeit und einem deutlich höheren Output führt.

Nachteile der Massenfertigung

Gegenüber den Vorteilen der Massenfertigung stehen auch gewisse Nachteile, welche ebenfalls in die eigenen Überlegungen und Abwägungen mit einbezogen werden sollten.

Die Massenfertigung ermöglicht keinerlei Anpassung, was heutzutage, je nach Produkt, möglicherweise zu Problemen führen kann. Die Bedürfnisse der Kunden verändern sich schneller als zuvor, weshalb vorab genau erörtert werden sollte, ob die Massenfertigung sich für das gewünschte Ziel auch wirklich lohnt.

Darüber hinaus können dank der Massenfertigung zwar zahlreiche, gleiche Produkte schnell und effektiv produziert werden, aber das führt auf Seiten der eigenen Mitarbeiter auch zu einer eintönigen Arbeit. Das kann auf Dauer gesehen möglicherweise zu einem Motivationsverlust führen.

Die Einführung einer Massenfertigung führt außerdem mehr Logistik-Aufwand im Unternehmen, was auch mit höheren Lagerhaltungskosten zusammenhängt. Aufgrund der großen Stückmengen, die hergestellt werden, müssen diese auch großflächig gelagert werden, was nicht nur den notwendigen Platz, sondern eben auch die hierfür erforderlichen Prozesse und Transportmittel voraussetzt. Das Gleiche gilt auch für die Ressourcen, die für die Herstellung der Endprodukte benötigt werden.

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Herausforderungen in der Massenfertigung

Auch die Massenproduktion bringt neben den erwähnten Vor- und Nachteilen einige Herausforderungen mit sich, die vor einer Implementierung in der eigenen Produktion berücksichtigt werden sollten, weil sie möglicherweise Anpassungen in den eigenen IT-Systemen und -Prozessen nach sich ziehen. Dementsprechend lassen sich beispielsweise die notwendige Kalkulation für die kontinuierlich benötigten Rohstoffe für die Produktion sowie die hiermit verbundene Lagerhaltung dieser nennen.

Dementsprechend ist es nämlich notwendig, dass dafür gesorgt wird, dass die benötigten Einzelteile, Rohstoffe und Komponenten in einem ausreichenden Maß und zur richtigen Zeit beschafft werden, um letztlich Produktionsstops verhindern und eine fortwährende Massenfertigung gewährleisten zu können. Eine wesentliche Hilfe in diesem Zusammenhang können ERP-Systeme sein, mit deren Hilfe sich verschiedene, relevante Prozesse virtuell abbilden, überwachen und optimieren lassen. Hiermit können Sie einen schnellen Überblick die relevanten Faktoren bekommen und diese auch für berechtigte Personen einsehbar machen. Darüber hinaus können Sie dank der Historie nachvollziehen, wie in der Vergangenheit vorgegangen wurde und damit aktiv an der Verbesserung der einzelnen Prozesse mitwirken, um die Abwicklung zukünftig noch reibungsloser gestalten zu können.

Digitale Abbildung und Unterstützung durch SAP

Wie bereits erwähnt, kann ein ERP-System, wie beispielsweise SAP, maßgeblich dabei helfen, dass die eigene Produktion digital und effektiv abgebildet wird. Durch dessen Nutzung können über Jahre gewachsene und insbesondere für Anfänger schwierig zu verstehendende Excel-Tabellen abgelöst werden, was auch einen deutlich erleichterten Zugang zu relevanten Informationen nach sich zieht. Damit können sowohl die Produktionsplanung als auch die Fertigungssteuerung stark vereinfacht und digital abgebildet werden.

Darüber hinaus kann mithilfe von SAP S/4HANA die Fertigung noch intelligenter gestaltet werden, wie beispielsweise durch Echtzeiteinblicke, um die Auslastung der einzelnen Arbeitsplätze und Ressourcen besser steuern zu können. Ebenfalls wird hierdurch die Live-Planung sowie eine verbesserte Zusammenarbeit zwischen Hersteller und Dienstleistern ermöglicht. Mithilfe von SAP PP kann eine spezifische Produktionsplanung mit festgelegten Fertigungszahlen erreicht werden und dank SAP SCM können die der Produktion vorlaufenden Beschaffungsprozesse übersichtlich dargestellt und optimiert werden. Dadurch werden die eigenen Kosten gesenkt und es bleibt mehr Zeit für die eigentliche Produktion.

Kommunikation über Schnittstellen

Wichtig für die An- und Verbindung der einzelnen Logistik- und Produktionssysteme sind deren jeweilige Schnittstellen, weil die einzelnen Systeme nur mithilfe strukturierter Schnittstellen die wichtigen Daten miteinander austauschen können.

Dementsprechend müssen die notwendigen Grundvoraussetzungen für die Harmonie zwischen den einzelnen Prozessen geschaffen werden, was insbesondere bei größeren Unternehmen eine Herausforderung ist. Angrenzende Bereiche – wie beispielsweise Vertrieb, Lagerhaltung und die Programmplanung – brauchen eine reibungslose Anbindung, um die erwähnten Vorteile generieren zu können.

Um all das bewerkstelligen zu können, müssen die einzelnen IT-Systeme effektiv vernetzt werden, was durch einen Blick auf den aktuellen Ist-Zustand der Systeme und Prozesse sowie eine stetige Optimierung dieser ermöglicht wird. Gerade in Hinblick auf die bevorstehende Industrie 4.0 spielt das eine große Rolle, da die Fertigung der einzelnen Produkte insbesondere bei der Massenproduktion auf Echtzeit-Daten zugreifen können muss. Nur so kann die gewünschte Automatisierung sowie eine erneute Effizienzsteigerung erzielt werden, wodurch Unternehmen sowohl zukunfts- als auch wettbewerbsfähig bleiben können.

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Fazit

Abschließend lässt sich die Massenfertigung als die Herstellung gleichartiger Produkte in besonders großen Stückzahlen beschreiben. Gerade in Industrien, die große Absatzmengen gleicher Produkte haben – wie beispielsweise in der Pharma- oder Lebensmittelindustrie – stellt sie damit einen maßgeblichen Faktor zu Senkung der Stückkosten dar. Diese Vorgehensweise setzt jedoch einwandfreie Prozesse sowie eine straffe Planung voraus, um sicherzustellen zu können, dass die notwendigen Ressourcen auf die gewünschte Art und Weise und ohne einen ungewollten Stillstand im Schichtbetrieb hergestellt werden können. IT-Systeme können in diesem Zusammenhang dank der Vernetzung und Vereinheitlichung helfen, um allen Beteiligten einen besseren Überblick sowie eine optimierte Planbarkeit zu ermöglichen.

Tim Lutz

Tim Lutz

Mein Name ist Tim Lutz und ich bin der Fachbereichsleiter von Mindlogistik. Ich beschäftige mich schon seit vielen Jahren mit Logistiklösungen im SAP Umfeld.

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