Aaron Rudolf
22. Dezember 2023

COP28 und was Unternehmen in Deutschland jetzt erwarten können

COP28 Blogbeitrag

Die UN-Klimakonferenz 2023 in Dubai ist vorüber, doch was wurde beschlossen und was bedeuten diese Beschlüsse fortan für Unternehmen und Industrie? Die wichtigsten Informationen und Folgen im Überblick.

Welche Themen wurden auf der COP28 besprochen und beschlossen?

Der größte Beschluss ist zweifelsohne der Übergang weg von fossilen Energien, das Ziel lautet Netto-Null-Emissionen bis 2050. Dieser Schritt soll in einer “gerechten, geordneten und ausgewogenen Weise” geschehen und von jedem Land unterschiedlich gestaltet werden, um trotzdem die Energiesicherheit gewährleisten zu können. Passend dazu soll der Einsatz erneuerbarer Energien, bzw. die installierte Leistung, bis 2030 auf 11 Terawatt verdreifacht werden, um eben jenen Bedarf fossiler Energien zu reduzieren.

Des Weiteren wurde das Thema Klimagerechtigkeit diskutiert, insbesondere finanzschwache Länder des globalen Südens sollen künftig mehr Unterstützung erhalten, um sich gegen die Klimakrise wappnen zu können (Least Developed Countries Fund). Zudem wurde ein “Loss and Damage”-Fonds eingerichtet, welcher für unwiederbringliche Verluste und Schäden durch die Klimakrise genutzt werden soll, Deutschland trug direkt 100 Millionen Euro zur Startfinanzierung (insg. 700 Mio. €) bei.

Ein weiterer Punkt ist der erste Global Stocktake (GST), eine Bewertung von Ländern hinsichtlich ihrer Fortschritte im Hinblick auf das Pariser Abkommen, was in Zukunft immer wieder zu Neubewertungen von Klimazielen und -maßnahmen führen dürfte.

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Was macht Deutschland?

Infolgedessen unterstrich Bundeskanzler Scholz die Dringlichkeit, die Treibhausgasemissionen im laufenden Jahrzehnt so stark zu reduzieren, dass das ambitionierte 1,5-Grad-Ziel erreicht werden kann. Dazu bekräftigte er das Ziel, Deutschland bis 2045 klimaneutral zu machen. Dabei betonte Scholz, dass die notwendigen Technologien bereits vorhanden seien und es nun auf die konsequente Umsetzung ankomme. Einen globalen Schritt in Richtung Klimaschutz forderte er zudem mit einem weltweiten Ausstieg aus der Nutzung von Kohle, Öl und Gas.

In seiner Rede appellierte er insbesondere an Länder wie China und die Golfstaaten, eine größere Verantwortung im Klimaschutz zu übernehmen. Trotz der rhetorischen Stärke der Rede wurde die Politik der Bundesregierung kritisiert – insbesondere für den Aufbau neuer fossiler Infrastrukturen für den Import von Flüssiggas.

Der WWF Deutschland äußerte ebenfalls Kritik an der Ambivalenz der deutschen Klimapolitik und forderte von der Bundesregierung ein konsequenteres Handeln. Besonders beim Ausstieg aus fossilen Energien und der Ausrichtung des Bundeshaushalts an Klima- und Umweltschutzkriterien sollten nach Meinung des WWF Deutschland klare und entschlossene Schritte unternommen werden.

Deutsch-brasilianische Partnerschaft

Brasilien und Deutschland haben zudem eine Transformationspartnerschaft beschlossen, die einen klima- und naturfreundlichen sowie sozial gerechten Umbau der Wirtschaft in beiden Ländern zum Ziel hat. Diese wegweisende Initiative eröffnet deutsche Unternehmen neue Möglichkeiten in Bereichen wie erneuerbare Energien und Waldschutz.

Die Partnerschaft zwischen Brasilien und Deutschland im Bereich des Klimaschutzes wurde während der COP28 in Dubai intensiv diskutiert. Ein bedeutender Schwerpunkt dieser Zusammenarbeit ist die angekündigte Kooperation zwischen der Europäischen Investitionsbank (EIB) und der brasilianischen Entwicklungsbank (BNDES). Gemeinsam wollen sie Klimaprojekte in Brasilien finanzieren. Die EIB, als weltweit größter multilateraler Darlehensgeber, hat bereits erhebliche Investitionen in Lateinamerika, insbesondere in Brasilien, getätigt.

Ein zentrales Instrument für Brasilien, internationale Zuwendungen für Klimaschutzprojekte zu erhalten, ist der Amazonasfonds, verwaltet von der BNDES. Dieser Fonds erhält nicht rückzahlbare Zuschüsse, deren Freigabe an die Erreichung vereinbarter Ziele, wie die Verringerung der Entwaldungsraten, gebunden ist.

Wie sind Industrie und Unternehmen von COP28 betroffen?

Auf Industrieunternehmen kommen nun einerseits Chancen als auch Verpflichtungen zu. Denn zum einen werden Innovationen und Technologien bezüglich erneuerbarer Energien und Energieeffizienz gefragter denn je. Zum anderen bieten sich in den zu unterstützenden Entwicklungsländern Möglichkeiten zur Investition in nachhaltige Entwicklungsprojekte und Technologietransfers.

Die Partnerschaft zwischen Brasilien und Deutschland spiegelt zudem das gemeinsame Engagement beider Länder im Kampf gegen den Klimawandel und die Förderung nachhaltiger Entwicklung wider. Besonders im Energiebereich bietet Brasilien demnach attraktive Perspektiven für deutsche Unternehmen. Rohstoffe der Zukunft wie grüner Wasserstoff, seltene Erden, Lithium sowie Wind- und Solarenergie locken mit Investitionsmöglichkeiten.

Gleichzeitig wird der “Loss and Damage”-Fond auch mehr Verantwortung und vor allem langfristige finanzielle Verpflichtungen für Industrieländer bedeuten. Ebenso könnten im Zuge des Global Stocktake relevante regulatorische Veränderungen auf Unternehmen zukommen, besonders dann, wenn die Ziele weiterhin gefährdet bleiben. Gesetze und Richtlinien wie das LkSG, die CSRD samt ESRS oder auch die kommende EU Green Claims Directive dürften hier wahrscheinlich nur der Anfang sein. Der Umstieg zu nachhaltigeren Liefer-/Produktionsketten und internen Praktiken dürfte zu den Hauptherausforderungen von Unternehmen und ihrem zukünftigen Handeln zählen.

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Fazit

Die Reaktionen auf die Beschlüsse waren prinzipiell positiv, wenn auch eher verhalten. Umweltorganisationen bewerten die neuen Ziele als wichtige Schritte, dennoch bleiben Zweifel an der Umsetzung. Denn besonders in Hinblick auf den Ausstieg aus den fossilen Energien erscheint diese noch löchrig und nicht konsequent genug, da keine klaren Grenzen und Pläne für die kommende Übergangszeit bis 2050 formuliert wurden. Stand jetzt gibt es also nur ein Ziel, obwohl Maßnahmen ab sofort erfolgen müssten.

Nichtsdestotrotz wurden auf kommunikativer Ebene Fortschritte gemacht, die es jetzt mit aktiven Anstrengungen zu stützen gilt. Hierbei sind nun nicht nur die Regierungen, sondern natürlich auch die Industrie und ihre Unternehmen dazu aufgerufen, ihre Betriebe effizienter und nachhaltiger zu gestalten. Außerdem sollten auch die eben genannten Chancen im Investitionsbereich nicht außer Acht gelassen werden.



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