Tim Lutz
 - 22. März 2021

So optimieren Sie Ihre Lieferanten­strategie

So optimieren Sie Ihre Lieferantenstrategie

Vor allem für produzierende Unternehmen sind einwandfreie Lieferungen von essenzieller Bedeutung. Eine verspätete oder gar falsche Lieferung kann Ihrem Unternehmen schaden, weil Folgeprozesse ins Stocken kommen oder erst gar nicht ausgeführt werden können. Auch die Lieferantenpreise spielen eine wichtige Rolle: Ohne einen Lieferantenvergleich nehmen Sie ggf. unnötige Kosten in Kauf. In diesem Beitrag gehe ich darauf ein, wie Sie Ihre Lieferantenstrategie optimieren können.

Was ist eine Lieferantenstrategie?

In der Lieferantenstrategie (auch Beschaffungsstrategie) formulieren Sie aus, wie Sie sich die Beziehung zu bestimmten Lieferanten in Zukunft wünschen. Dabei steht die Sicherstellung der Versorgung des Unternehmens an erster Stelle. Die Strategie entwickeln Sie dabei entweder mit oder ohne Absprache mit den Lieferanten.

Die Lieferantenstrategie ist Teil der Supply-Marktstrategie. Hier analysieren Sie alle Parameter eines bestimmten Beschaffungsmarkts, damit alle Faktoren, wie Lieferanten, aufeinander abgestimmt sind.

Mit der Lieferantenstrategie entwickeln Sie also Ihre strategische Vorgehensweise mit einem oder mehreren Lieferanten. Dafür müssen Sie zunächst die Marktstruktur identifizieren und daraus die passende Lieferantenstrategie für Sie ableiten.

Eine Marktstruktur stellt alle Merkmale eines bestimmten Marktes dar. Zur Marktstruktur gehören bspw. die Analyse der Marktteilnehmer, also die Menge an Anbietern und wie groß die Nachfrage bestimmter Produkte ist.

So optimieren Sie Ihre Lieferantenstrategie

Abbildung 1: Die Lieferantenstrategie ist Teil der Supply-Marktstrategie.

Halten Sie die strategische Bedeutung der Lieferanten fest

Zunächst einmal müssen Sie herausfinden, welche strategische Bedeutung ein Lieferant für Sie hat. Werfen Sie hierfür einen Blick auf die Produkte, die Sie von dem Lieferanten beziehen: Wenn Sie individuell abgestimmte Ware bei dem Lieferanten bestellen, dann können Sie die gewünschten Produkte meist nicht bei vielen anderen Lieferanten erhalten. Somit hat ein Lieferant dieser Art eine höhere strategische Bedeutung für Sie. Beziehen Sie wiederum Standardware beim Lieferanten, können Sie ihn einfacher wechseln, da es wahrscheinlich viele unterschiedliche Lieferanten gibt, die die gleiche Ware anbieten.

Oder sind Sie bspw. abhängig vom Lieferanten, weil die Ware bzw. die Dienstleistung allgemein knapp ist? Dann hat der Lieferant eine hohe strategische Bedeutung für Sie. Insgesamt schauen Sie, wie hoch das Risiko der Zusammenarbeit mit dem Lieferanten ist. Je größer die strategische Bedeutung eines Lieferanten ist, desto höher ist das Risiko.

Erstellen Sie Kategorien mithilfe der ABC-Analyse

Die Bedeutung der eingekauften Produkte können Sie mithilfe der ABC-Analyse bewerten. Ordnen Sie zunächst alle Waren in unterschiedliche Kategorien ein. Waren in Klasse A haben dabei die größte Bedeutung für Ihr Unternehmen, während Waren in Klasse C über die kleinste Bedeutung verfügen. Danach bestimmen Sie, welche Funktionen und welche Aufgaben der Lieferant übernimmt.

So optimieren Sie Ihre Lieferantenstrategie

Abbildung 2: Mithilfe der ABC-Analyse können Sie all Ihre Einkaufsteile in Kategorien einteilen.

Mit der ABC-Analyse sind Sie in der Lage, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. So können Sie Ihren Fokus auf die wichtigsten Warengruppen legen und die Lieferanten dementsprechend nach Wichtigkeit sortieren.

Diese Erkenntnisse können Sie aus den Analysen ziehen

Vielleicht reichen Ihnen weniger Lieferanten aus, da Sie mehrere Warengruppen von einem Lieferanten erhalten können. Sprechen Sie sich dafür am besten mit Ihren Lieferanten ab – Sie könnten u. a. einen Preisnachlass bei einem bestimmten Lieferanten erhalten, wenn Sie unterschiedliche Teile von ihm beziehen und dadurch die Bestellung größer wird.

Mit weniger Lieferanten haben Sie eine stärkere Bindung zu diesen, wodurch Sie spezielle Verträge abschließen können. Jedoch sind Sie dadurch sehr abhängig von ihnen. Falls bei der Lieferung etwas schiefläuft, ist das Risiko also höher für Sie.

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Beispiel: Die Einzel- und Mehrfachbeschaffung im Vergleich

Eine beispielhafte Strategie wäre es, eine bestimmte Ware von mehreren Lieferanten zu bestellen. Diese Art von Beschaffung wird auch Mehrquellenbeschaffung genannt. Bei mehreren Lieferanten verringert sich die Abhängigkeit, da Sie sich nicht auf einen einzigen Lieferanten verlassen müssen.

Bei Lieferengpässen oder Ausfall eines Lieferanten sind Sie durch die unterschiedlichen Quellen abgesichert. Zudem stehen Ihre Lieferanten durch die größere Konkurrenz unter Preisdruck – das können Sie ausnutzen, um günstigere Lieferpreise auszuhandeln. Jedoch müssen Sie auch beachten, dass Sie mit vielen Lieferanten mehr Zeit in die Kommunikation investieren müssen. Zudem sind nicht alle Produkte für diese Art von Beschaffung geeignet – spezialisierte Warengruppen sind bspw. durch den hohen Individualisierungsgrad meist unpassend.

Das Gegenteil einer Mehrquellenbeschaffung ist die Einzelquellenbeschaffung. Diese hat den Vorteil, dass Sie i. d. R. Preisnachlässe für eine große Bestellmenge erhalten. Zudem erhalten Sie durch das große Vertrauen ein verbessertes Geschäftsverhältnis, wodurch der Lieferant Sie z. B. bei Lieferengpässen bevorzugt. Jedoch haben Sie ein vergrößertes Risiko bei Problemen mit einem Lieferanten wie einem Produktionsausfall: Bei der Mehrquellenbeschaffung könnten Sie die Liefermenge schnell bei einem anderen Lieferanten anpassen, bei der Einzelquellenbeschaffung jedoch nicht.

Fazit

Bei der Lieferantenstrategie setzen Sie sich mit Ihren benötigten Waren und derzeitigen Lieferanten auseinander, um eine optimierte Lieferung zu erhalten. Die passende Lieferantenstrategie für Ihr Unternehmen zu finden nimmt zwar viel Zeit und Sorgfalt in Anspruch. Mit der richtigen Strategie können Sie jedoch viel mehr Kosten einsparen und die Effizienz Ihrer Unternehmensprozesse steigern. Analysieren Sie also Ihre Warengruppen und derzeitigen Lieferanten, um Verbesserungspotenzial aufdecken zu können.

Falls Sie Fragen zum Thema Lieferantenstrategie haben, kontaktieren Sie mich gerne. Ich freue mich darauf, Ihnen weiterhelfen zu können.

Tim Lutz

Tim Lutz

Mein Name ist Tim Lutz und ich bin der Fachbereichsleiter von Mindlogistik. Ich beschäftige mich schon seit vielen Jahren mit Logistiklösungen im SAP Umfeld.

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