Tim Lutz
4. August 2022

Dezentrales Lager

Dezentrale Lager sind heutzutage kaum noch aus der Struktur vieler Unternehmen wegzudenken, da sie Tag für Tag die Warenströme in unserer globalisierten Welt befeuern. Dank der Verteilung der eigenen Waren erhöhen heutzutage die meisten Unternehmen die eigene Wirtschaftlichkeit und optimieren damit ihre weltweit umspannenden Lieferketten mithilfe von dezentralen Lagern. Hierdurch sowie dank der zunehmenden Automatisierung sollen zukünftig weitere wirtschaftliche Zugewinne sichergestellt werden.

Definition

Ein dezentrales Lager stellt die Weiterentwicklung und in manchen Fällen auch Alternative zu einem Zentrallager dar. Unternehmen mit dezentralen Lagern setzen nicht mehr darauf die Kunden von einem Ort aus zu beliefern. Stattdessen befinden sich dezentrale Lager in Kundennähe und damit in den Ländern, in denen die Produkte ebenfalls verkauft werden bzw. in der Nähe der Produktionsstätte für die Fertigung des Endprodukts.

Ziele

Mit einem dezentralen Lager verfolgen Unternehmen das Ziel, die eigene Lieferflexibilität zu erhöhen. Darüber hinaus verfolgt ein dezentrales Lager die „4Ks“:

  • Kosten
  • Kunden (Kundenzufriedenheit/Kundennähe)
  • Kommunikation
  • Krisenmanagement

Kosten

Während der Kostenfaktor bei jeder unternehmerischen Überlegung eine große Rolle spielt, sind die drei weiteren Faktoren Aspekte, die zunächst nicht direkt in die Überlegungen eines Unternehmens mit einfließen.

Dezentrale Lager bringen in vielen verschiedenen Bereichen deutlich gesteigerte Kosten mit sich. Zu den Kostenfaktoren zählen:

  • der Kauf von Standorten
  • der Bau der Lagerhallen
  • die Montage von Regalsystemen
  • die Bereitstellung der benötigten Geräte und Maschinen
  • die Einstellungen von Lagermitarbeitern

Auf den ersten Blick wirkt ein dezentrales Lager deshalb möglicherweise finanziell nicht lohnenswert. Werden jedoch die anderen Aspekte noch mit einbezogen, kann sich der Eindruck schnell ändern.

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Kundennähe

Der Aspekt Kunde, also die Kundennähe, stellt nämlich einen wichtigen Bereich dar, welcher bei dezentralen Lagern als vorteilhaft zu betrachten ist. Dezentrale Lager stellen in den meisten Fällen nämlich sicher, dass eine deutlich verbesserte Kundennähe erzielt werden kann. Das gilt nicht nur für die Endkunden, sondern auch für unternehmensinterne Kunden, wie beispielsweise die Fertigung. Hierdurch können „just in time“- oder „just in sequence“-Vorgehensweisen sichergestellt werden.

Kundenzufriedenheit

Und auch in Sachen Kundenzufriedenheit lassen sich mit dezentralen Lagern Erfolge feiern, da heutige Kunden hohe Anforderungen in Sachen Lieferzeiten, umweltfreundliche Lieferketten und Verfügbarkeiten haben. Das alles lässt sich mit dezentralen Lagern besser als mit einem Zentrallager realisieren.

Kommunikation

Die Kommunikation stellt den dritten, wesentlichen Faktor in Bezug auf dezentrale Lager dar. Dabei ist besonders wichtig, dass eine sowohl präzise als auch transparente Kommunikation im Rahmen des Lagernetzwerks erreicht wird.

Als Basis hierfür kann ein Lagerverwaltungssystem dienen, welches Aufschluss über aktuelle Lagerbestände sowie auch über Lagerbewegungen gibt. Hiermit kann sichergestellt werden, dass kostentreibende Fehllagerungen bzw. Fehllieferungen verhindert werden können und der allgemeine Ablauf optimiert werden kann.

Krisenmanagement

Ebenfalls relevant in dieser Hinsicht ist der vierte Aspekt: das Krisenmanagement. Dezentrale Lager ermöglichen „von Haus aus“ auch in Krisenzeiten, in denen die Beschaffung bzw. die Belieferung schwierig bis gar unmöglich wird, ein funktionierendes Krisenmanagement.

Dezentrale Lager, die näher an der eigenen Produktion bzw. am Endkunden sind, können viel besser als Zentrallager sicherstellen, dass die Akteure selbst in schwierigen Zeiten wie bei Naturkatastrophen oder auch während Pandemien versorgt werden können.

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Vor- und Nachteile eines dezentralen Lagers

Wie das Zentrallager bringt auch das dezentrale Lager einige Vor- und Nachteile mit sich, auf die nachfolgend näher eigegangen werden soll.

Vorteile

Der größte Vorteil von dezentralen Lagern ist die Kundennähe. Aufgrund dessen, dass die Lager sich in der Nähe der Kunden befinden, ist es umso einfacher, diese zu beliefern. Und das wiederum ist ein Wettbewerbsvorteil, weil schnellere Lieferzeiten sichergestellt werden können.

Ein weiterer Wettbewerbsvorteil sind die niedrigen Frachtkosten. Hierdurch verschafft man sich nicht nur einen Vorsprung im Vergleich zur Konkurrenz, sondern sorgt auch für eine höhere Kundenzufriedenheit, weil die Kunden deutlich niedrigere Versandkosten zahlen müssen.

Nachteile

Den positiven Aspekten gegenüber stehen auch negative Faktoren. Aufgrund der Dezentralisierung der Lager entstehen höhere Lagerkosten, da mehr Miet-, Energie- und Personalkosten entstehen, um die verschiedenen Lager betreiben zu können.

Darüber hinaus sind auch mehr Fehlerquellen bei der Abstimmung der einzelnen Lager möglich. Wenn nicht klar geregelt ist, wann von welchem Lager aus geliefert wird, kann das zu Problemen mit den Kunden sowie auch in der internen Abstimmung führen.

Darüber hinaus ist der Steuerungsaufwand höher. Sowohl die Vernetzung als auch der Informationsfluss muss sichergestellt werden, sodass beispielsweise eine automatische Aufstockung der einzelnen Lager stattfinden kann, wenn die Bestände ausgehen.

Dezentrale Lager sind zudem schwieriger zu kontrollieren, wenn man diese mit einem Zentrallager vergleicht. Aufgrund dessen, dass die Führungsetage keine räumliche Nähe mehr zum Lager hat, muss sichergestellt werden, dass die durchzuführenden Prozesse einer gewissen Struktur folgen.

Herausforderungen

Dezentrale Lager bringen einige Herausforderungen mit sich, die man beachten sollte, bevor man sich im Unternehmen für die Nutzung entscheidet. Allen voran ist hierbei zu erwähnen, dass Anpassungen an den eigenen Systemen und Prozessen sichergestellt werden müssen. Darüber hinaus ist jedoch wichtig, dass sowohl der Material- als auch der Informationsfluss einwandfrei funktionieren müssen. Nur so kann sichergestellt werden, dass die dezentralen Lager über die Produkte verfügen, die an die Kunden ausgeliefert werden sollen und das richtige dezentrale Lager in Kundennähe beauftragt wird, das Produkt zu versenden.

Hierfür notwendig ist die Verfügbarkeit der einzelnen Produkte sowie auch Prozesse, die sicherstellen, dass stets genügend Nachschub vorhanden ist. Das bedeutet, dass die eigenen Lieferketten möglicherweise sogar weltweit angepasst werden müssen. In Sachen IT wiederum heißt das, dass es IT-Systeme braucht, die einen Überblick über die verschiedenen Lagerprozesse geben. Das kann mithilfe eines ERP-Systems, wie beispielsweise SAP, geschehen.

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Digitale Abbildung eines dezentralen Lagers

Wie zuvor schon angeführt wurde, kann ein ERP-System, wie beispielsweise SAP, dabei helfen, die Prozesse verständlicher abzubilden und damit effizienter zu gestalten. Gerade über Jahre gewachsene Prozesse, die den Status Quo darstellen, aber viel zu viel Einbußen produzieren, können hiermit aufgedeckt, analysiert, optimiert und im besten Fall sogar automatisiert werden. Darüber hinaus wird der Zugang zu Informationen vereinfacht, was sowohl die Mitarbeiter im Vertrieb als auch die Mitarbeiter im Lager sowie andere Beteiligte stets auf dem aktuellen Stand der Dinge halten kann.

Die verschiedenen Prozesse, die in und rund um dezentrale Lager stattfinden, wie beispielsweise Warenein- und -ausgang, aber auch interne Umlagerungen, Just-in-time-Lieferungen und Co. können mithilfe eines einheitlichen Systems mit aktuellen Informationen deutlich vereinfacht werden, was zu einer Effizienzsteigerung für das ganze Unternehmen führt. Eine Lösung dafür ist SAP LE, da hiermit in einem einzigen Modul die verschiedenen Prozesse zusammengeführt und logisch strukturiert sind, sodass man selbst ganze Prozessketten durchgehen kann, um mögliche Fehler zu finden und diese konsequent beseitigen zu können.

Fazit

Dezentrale Lager stellen eine effektive Möglichkeit dar, wie man in einem Unternehmen sowohl Kundennähe als auch schnellere Produktionsformen, wie just-in-time oder just-in-sequence, erreichen kann. Obwohl das zunächst einmal mit höheren Kosten verbunden ist, können enorme Vorteile in Sachen Kundennähe (auch bei internen Kunden), Kommunikation und Krisenmanagement sichergestellt werden, da die eigene Supply Chain beispielsweise bei Naturkatastrophen ein Backup hat.

Mit der Einführung eines dezentralen Lagers bzw. mehrerer dezentraler Lager sollte jedoch auch sichergestellt werden, dass die Kommunikation, also der Austausch von Informationen, gewährleistet werden kann. Mithilfe eines ERP-Systems ist das möglich, da diese die verschiedenen Lagerprozesse effektiv und digital abbilden und vereinheitlichen können. Dank SAP LE beispielsweise werden die einzelnen Parameter, wie die Lagerauslastung oder die Warenverteilung innerhalb der Lager, mess- und überprüfbar. Das wiederum hilft bei der Steigerung der Effizienz der Prozesse und macht Unternehmen fit für die Industrie 4.0, da die verschiedenen Lagerprozesse automatisiert abgewickelt werden können.

Tim Lutz

Tim Lutz

Mein Name ist Tim Lutz und ich bin der Fachbereichsleiter von Mindlogistik. Ich beschäftige mich schon seit vielen Jahren mit Logistiklösungen im SAP Umfeld.

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