Tim Lutz
26. Juli 2023

Process Mining für resiliente Lieferketten

Process Mining für resiliente Lieferketten

Lieferketten von Unternehmen weltweit sind einem ständigen Wandel ausgesetzt. Neues Konsumverhalten im Zuge des Amazon-Effekts, undurchsichtige politische Lagen oder globale Ereignisse wie die Pandemie sind Faktoren, die die Lieferketten vieler Unternehmen strapazieren. Wie Process Mining Ihnen dabei weiterhilft, Ihre Lieferketten widerstandsfähiger, anpassbar und somit resilienter zu machen, erfahren Sie in diesem Beitrag.

Was ist Process Mining?

Process Mining ist eine Analysetechnik, mit der Unternehmen Ihre Geschäftsprozesse genauer untersuchen können. Die Technik bezieht dabei Daten ein, die der Betrieb in seinen Systemen wie einem ERP (Enterprise Resource Planning) oder EWM (Extended Warehouse Management) speichert und verarbeitet. Hauptsächlich sind beim Process Mining Log-Dateien als Input für das Programm nötig. Das sind Dateien, die Prozesse oder Ereignisse im System festhalten und protokollieren. Beispielsweise können Unternehmen im Rahmen des Process Mining mit Tools wie Celonis Belege aus SAP nutzen.

Process Mining findet in Echtzeit statt. Daneben arbeitet das Programm nicht nur mit dem aktuellen Output eines ERPs bzw. Log-Daten aus anderen Programmen. Es kann ebenfalls den Kontext der Daten einordnen und analysieren, wie sie entstanden sind. Auf dieser Basis erstellt das System Zusammenhänge zwischen den verschiedenen Aktionen. So können Unternehmen Ursachen gegebener Probleme erkennen oder Aktionen besser in einen Kontext einordnen.

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Process Mining bei Lieferketten

Was sind resiliente Lieferketten?

Im Zusammenhang mit einem schnellen und stetigen Wandel der Welt können Unternehmen nicht auf alte Praktiken der Supply Chain bauen. Einerseits machen es z. B. dynamische politische Lagen und Preisschwankungen schwer, eine nahtlose bzw. ideale Beschaffung einzurichten. Andererseits müssen Unternehmen gewährleisten, dass sie ihre Ware schnell versenden. Darum müssen sie starre Strukturen ablegen und stattdessen Flexibilität im Unternehmen schaffen.

Das bedeutet, dass Unternehmen eine besonders agile Lieferkette anstreben müssen, um sich den neuen Bedingungen anpassen zu können. Im nächsten Schritt ist es sogar noch nützlicher, bevorstehende Änderungen zu antizipieren und diesbezüglich frühzeitig Entscheidungen zu treffen. Eine resiliente Lieferkette definiert sich demnach durch ihre Anpassungsfähigkeit und ihre Stabilität.

Process Mining für Lieferketten

Wie können Sie nun eine solche Lieferkette in Ihrem Unternehmen schaffen? Ein Ansatz dazu bietet das Process Mining. Hierbei nutzen Unternehmen alle Daten, die sie innerhalb ihrer Lieferkette produzieren. Diese kombinieren sie miteinander, um eine detaillierte Auffassung der Lieferkette zu bekommen.

So können Unternehmen beispielsweise die Ursachen für verspätete Lieferungen genauer untersuchen und auf dieser Entscheidungsgrundlage ihre Lieferprozesse beschleunigen. Daneben haben sie die Möglichkeit, weitere Ineffizienzen zu ermitteln, zu korrigieren und neue Planungen anzugehen. Sie können somit für flüssigere Prozesse und eine bessere Performance in ihrer Supply Chain sorgen.

Einer der wichtigsten Faktoren des Process Mining in Bezug auf Ihre Lieferkette ist die Möglichkeit der Echtzeit-Verarbeitung. Diese hilft Ihnen unter anderem dabei, besonders schnell Veränderungen, die beispielsweise Ihre TMS (Transport Management Software) ausgibt, einzusehen und Anpassungen in der Supply Chain vorzunehmen.

Implementierung Process Mining: So kann ein Projekt ablaufen

Einen Projektverlauf zur Implementierung eines Process-Mining-Systems können Sie in 5 Schritte unterteilen.

Schritt 1: Team zusammenstellen

Im ersten Schritt ist es notwendig, eine Arbeitsgruppe aus z. B. externen Experten im Process Mining und internen Fachkräften mit umfassenden Kenntnissen über Unternehmensprozesse zusammenzustellen.

Schritt 2: IT-Setup, Zielsetzung

In diesem Schritt richtet das Team die notwendige IT für das Process Mining ein. Anschließend bespricht es, welche Probleme oder Ineffizienzen das Unternehmen mit einem Process-Mining-Programm konkret lösen möchte.

Schritt 3: Prozessanalyse

Daraufhin erstellt ein Datenanalyst im Hintergrund ein Datenmodell und fügt diesem Modell Aktivitäten hinzu, wie z. B. Analysen. Im Anschluss daran werden Experten des Teams damit betraut, das Modell abzustimmen oder Analysen anzupassen bis übersichtliche Dashboards entstehen. Damit kann das Unternehmen in Zukunft gewünschte Analysen durchführen und Ineffizienzen aufdecken.

Schritt 4: Businessanalyse

Hier arbeitet das Team zusammen, um die Daten zu validieren und eine hochwertige Datenqualität zu erhalten. Dies bildet die notwendige Basis, auf der es den Rest des Process Mining aufbauen kann. Danach folgt die Value Creation Phase, in der die Arbeitsgruppe Lösungsvorschläge für die besprochenen Probleme des Unternehmens erarbeitet.

Schritt 5: Abschluss

Nach diesem Schritt beginnt das Unternehmen planmäßig, mit dem Process Mining zu arbeiten. Bei Bedarf kann es ein externes Coaching hinzuziehen, um z. B. Mitarbeiter in den Umgang mit der Software gezielt zu schulen.

Die Anforderungen an Lieferketten werden in Zeiten der Globalisierung immer komplexer. Neue Technologien und immer weiter steigende Datenmengen treiben die digitale Transformation an. Auch bei Lieferketten spielt die Digitalisierung zunehmend eine essenzielle Rolle. Nutzen Sie Ihre Datenmengen bereits effektiv? 

Vorteile und Herausforderungen vom Process Mining

Die Implementierung des Process Mining bietet viele Vorteile. Darunter fallen unter anderem ein ständiger Optimierungszyklus, besonders transparente Unternehmensabläufe, effizientere bzw. automatisierte Logistikprozesse und eine schnelle Identifikation von Verbesserungspotentialen entlang der Supply Chain.

Beim Process Mining müssen Sie allerdings beachten, dass Sie als Datengrundlage Event-Logs nutzen müssen und diese manuelle Arbeiten nur bedingt auffassen. Des Weiteren kann die Implementierung eines Process-Mining-Tools sehr aufwendig sein.

Fazit

Process Mining ist eine Technik, mit der Unternehmen ihre Lieferketten genauer analysieren können, um sie widerstandsfähiger und anpassungsfähiger zu machen. Dabei beziehen sie Daten aus verschiedenen Bereichen wie z. B. ERP, EWM und TMS, um einen Überblick über die Lieferkette zu erhalten. Mit einer Echtzeit-Verarbeitung können Unternehmen schnell auf Veränderungen in der Lieferkette reagieren. Insgesamt bietet das Process Mining ein enormes Potential, um Lieferketten besonders resilient zu gestalten.

Haben Sie weitere Fragen zum Process Mining oder benötigen Sie zusätzliche Informationen zum Thema? Dann nehmen Sie zu uns gerne Kontakt auf.

Tim Lutz

Tim Lutz

Mein Name ist Tim Lutz und ich bin der Bereichsleiter IT für Produktion und Logistik. Ich beschäftige mich schon seit vielen Jahren mit Logistiklösungen im SAP Umfeld.

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