Tim Lutz
 - 22. April 2021

Vendor Managed Inventory

Eine optimierte Lieferkette kann Ihrem Unternehmen viele Kosten ersparen. Um diese zu erhalten, sollten Sie zunächst Ihren Lagerbestand verstehen: Ein kleiner Lagerbestand hat den Nachteil, dass Artikel schnell ausverkauft sind. Ein zu großer Lagerbestand hat wiederum u. a. den Nachteil, dass eine größere Platzeinnahme höhere Kosten für Sie bedeuten. Ein Konzept, Ihr Inventar optimal zu dimensionieren, ist Vendor Managed Inventory. Wie es funktioniert, erläutere ich Ihnen in diesem Artikel.

Was ist Vendor Managed Inventory?

Vendor Managed Inventory (VMI) ist eine logistische Strategie, die das Leistungspotenzial in der Lieferkette verbessert. Sie wird auch lieferantengesteuerter Bestand oder Supplier Managed Inventory (SMI) genannt. Beim VMI ist der Lieferant in der Lage, Zugriff auf die Lagerbestands- und Nachfragedaten des Kunden zu erhalten.

Grund für dieses Zugriffsrecht ist, dass sich Lieferanten um die Lagerbestände ihrer Produkte bei ihren Kunden kümmern. Die Lagerbestände errechnen sich Lieferanten mithilfe von unterschiedlichen Daten, wie bspw. Verbrauchs- oder Abverkaufszahlen. Diese werden wiederum durch den Lieferanten selbst erfasst oder sie werden elektronisch vom Kunden übermittelt.

Ein typischer Anwendungsfall für VMI ist u. a. die Disposition von Konsumgütern in einem Handelsunternehmen durch den Hersteller dieser Güter. Viele Unternehmen profitieren bereits von VMI, so wie bspw. die Onlinehandels-Webseite Amazon.

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Die drei Konzepte von VMI

Ein VMI wird in folgende drei Unterteilungen unterschieden:

  1. Klassisches VMI: Beim Klassischen VMI-Konzept leitet der Kunde bisherige Abverkaufs- und Verbrauchsdaten an den Lieferanten weiter. Anhand dieser bestimmt der Lieferant den Zeitpunkt des nächsten Liefertermins.
  2. Continuous Replenishment: In der zweiten Form besucht der Lieferant den Kunden in festgelegten Abständen. Bei den Besuchen ermittelt der Lieferant den Fehlbestand für die nächste Lieferung und liefert diese Anzahl.
  3. Consignment Inventory: Bei einem Consignment Inventory ist der Lieferant Teilinhaber des Lagers des Kunden. Er ist für das Lager verantwortlich und bestückt es nach Bedarf selbst.

Die Prozesse dieser Konzepte werden über elektronische Business-to-Business-Marktplätze (B2B-Marktplätze) abgebildet. Über solche Marktplätze können Unternehmen untereinander Geschäfte abschließen und somit Produkte bzw. Dienstleistungen ver- bzw. einkaufen.

Wie kann der Lagerbestand analysiert werden?

Für ein VMI sind Prognosen des zukünftigen Lagerbestands wichtig, damit Lieferanten stets wissen, wann sie welche Artikel nachliefern sollen. Eine Art, um den Lagerbestand zu analysieren, ist die ABC-Analyse. Mit dieser können Sie herausfinden, wie sich die Produktnachfrage über einen bestimmten Zeitraum ändert und können somit Ihrem Lieferanten eine Prognose weiterleiten.

Für die ABC-Analyse gruppieren Sie zunächst Ihre Waren in drei Kategorien:

  1. Kategorie A: Hier befinden sich Ihre meistverkauften Produkte, die am wenigsten Platz und Kosten für die Lagerung benötigen. Diese machen etwa 20 % Ihres Bestands aus.
  2. Kategorie B: In der nächsten Kategorie sind Artikel, die zwar gleich viel wie A-Produkte verkauft werden, aber teurer in der Lagerung sind. Etwa 40 % Ihres Bestands gehört zu dieser Kategorie.
  3. Kategorie C: C-Artikel sind die restlichen Artikel, die auch etwa 40 % Ihres Bestands ausmachen.

Die Vorteile von Vendor Managed Inventory

Ein Bestandsmanagement nach einem VMI-Prinzip kann für Lieferanten und Kunden viele Vorteile bringen. Zunächst können Lieferanten schnell auf leichtere Bedarfsschwankungen reagieren, da sie stets über den Bedarfsstand informiert sind. Dadurch haben Kunden der Lieferanten den Vorteil, dass Produkte nun kaum ausverkauft sind. Zudem trägt der Lieferant eine größere Verantwortung und erhält auch mehr Freiheiten bei der Lieferungs-Planung.

Händler wiederum (bzw. die Kunden der Lieferanten) verfügen über geringere Lagerbestände und profitieren somit neben einer Platz- auch von einer Kosteneinsparung. Da Kunden stets die passende Anzahl an Ware geliefert bekommen, werden weniger Produkte retourniert. Somit profitieren Lieferanten von einer Transport-Optimierung.

Ein VMI ist unter folgenden Voraussetzungen besonders rentabel einsetzbar:

  • Der belieferte Kunde macht einen großen Prozentsatz der Verkaufszahlen des Lieferanten aus.
  • Der Lieferant liefert standardisierte Produkte, die der Kunde regelmäßig anfordert.
  • Die Nachfrage der Produkte ist stets in etwa gleich – es sollten idealerweise keine spontanen Bedarfe auftreten.
  • Hohe Abwicklungskosten für die Auftragsbearbeitung und die Produktionsplanung.

Welche Herausforderungen gibt es?

Obwohl Vendor Managed Inventory viele Vorteile mit sich bringt, birgt es auch ein paar Herausforderungen. Zunächst tragen Unternehmen ein hohes Risiko, wenn sie sensible Daten wie Auftrags- und Bestelleingänge mit anderen Unternehmen teilen. Daher müssen beide Parteien über ein hohes Vertrauen der anderen Partei über verfügen, damit sie korrekte Analysen durchführen können.

Dieses Vertrauen können sie mit einem Fokus auf vertragliche Regelungen stärken. Mit diesen können beide Parteien festhalten, wer auf welche Daten auf welche Art und Weise zu welchem Zweck zugreifen kann.

Zudem sind die Investitionskosten eines VMI recht hoch, die Sie jedoch bei einem Erfolg schnell wieder einholen.

Allerdings ist ein VMI nicht auf jede Art von Sortiment anwendbar, weswegen es nicht für alle Unternehmen einsetzbar ist. Eine Voraussetzung ist u. a. eine recht stabile Produktnachfrage.

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Der Prozessablauf eines VMI

Der Prozessablauf zwischen Kunde und Lieferant sieht wie folgt aus:

  1. Zunächst sendet der Kunde seine Bestands- und Abverkaufsdaten von einem bestimmten Artikel über ein EDI an den Lieferanten. Die Abverkaufsdaten sind entweder historisch oder bereits prognostiziert.
  2. Der Lieferant empfängt diese Daten in seinem System.
  3. Falls der Kunde historische Daten versendet hat, erstellt der Lieferant eine Prognose. Ansonsten baut er auf den prognostizierten Werten des Kunden auf. Auf der Basis dieser Daten plant der Lieferant die nächsten Lieferungen. Die Kundenauftragsdaten sendet er per EDI an den Kunden.
  4. Die empfangene Lieferanten-Bestellbestätigung wird im System des Kunden verarbeitet und in eine Bestellung umgewandelt.
  5. Im letzten Prozessschritt wird die Bestellnummer aus dem Kundensystem als Referenz in den zugehörigen Kundenauftrag eingetragen, damit bei Problemen auf die Bestellung zurückgegriffen werden kann.

Fazit

Mit einem optimierten Lagerbestand gestalten Sie Ihre Lieferkette effizient und sparen dabei nicht nur Platz, sondern auch Kosten ein. Mit VMI sind Lieferanten für den Lagerbestand zuständig und schicken selbst Bestellungen aus, die auf prognostizierten Daten basieren. Diese kann der Kunde entweder selbst ermitteln oder er leitet die Bestands- und Abverkaufsdaten an den Lieferanten weiter, der diese dann analysiert und eine Prognose anhand der Daten ermittelt. Der Vorteil eines VMI liegt darin, dass die benötigten Daten elektronisch vermittelt werden und viele Prozesse automatisiert werden können, wodurch beide Parteien von einer Effizienzsteigerung profitieren können.

Haben Sie Fragen zu Vendor Managed Inventory? Dann stellen Sie mir diese gerne. Ich freue mich auf den Kontakt!

Tim Lutz

Tim Lutz

Mein Name ist Tim Lutz und ich bin der Fachbereichsleiter von Mindlogistik. Ich beschäftige mich schon seit vielen Jahren mit Logistiklösungen im SAP Umfeld.

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