Tim Lutz
7. Juni 2023

Vendor Managed Inventory

Eine optimierte Lieferkette kann Ihrem Unternehmen viele Kosten ersparen. Um diese zu erhalten, sollten Sie zunächst Ihren Lagerbestand verstehen: Ein kleiner Lagerbestand hat den Nachteil, dass Artikel schnell ausverkauft sind. Ein zu großer Lagerbestand hat wiederum u. a. den Nachteil, dass eine größere Platzeinnahme höhere Kosten für Sie bedeuten. Ein Konzept, Ihr Inventar optimal zu dimensionieren, ist Vendor Managed Inventory. Wie es funktioniert, erläutere ich Ihnen in diesem Artikel.

Was ist Vendor Managed Inventory?

Die steigende Nachfrage und Produktvielfalt erschweren es, dass Unternehmen reibungslose Logistikprozesse abwickeln können. Dies bezüglich beschreibt beispielsweise der Bullwhip-Effekt Schwankungen in der Lieferkette, bei denen Engpässe durch unvorhersehbare Nachfrageschwankungen entstehen. Für dieses und ähnliche Probleme unterstützt das Vendor Managed Inventory-Konzept Unternehmen dabei, Bestell- und Lieferprozesse zu optimieren und Verluste durch unzureichende Produktverfügbarkeit zu vermeiden.

Das Vendor Managed Inventory (VMI) ist eine logistische Strategie, die auch als lieferantengesteuerter Bestand oder Supplier Managed Inventory (SMI) bekannt ist. Das VMI bietet unter anderem Vorteile für Kunden und Lieferanten, indem es Missverständnisse in der Kommunikation durch elektronische Übertragung von Informationen vermeidet. Der Lieferant kann seine Produktion und Lagerbestände flexibler und effizienter planen, was zu einer verbesserten Reaktion auf Veränderungen führt und den Kundenservice verbessert.

Der Kunde profitiert von optimalen Lagerbeständen und geringeren Logistikkosten. Zudem hat er weniger Verwaltungsaufgaben, da er die Verantwortung für das Bestandsmanagement an den Lieferanten übergibt. Trotzdem hat er immer aktuelle Bestände im Lager und kann so die Bedürfnisse der Kunden zuverlässig erfüllen.

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Die drei Konzepte von VMI

Ein VMI wird in folgende drei Unterteilungen unterschieden:

  1. Klassisches VMI: Beim Klassischen VMI-Konzept leitet der Kunde bisherige Abverkaufs- und Verbrauchsdaten an den Lieferanten weiter. Anhand dieser bestimmt der Lieferant den Zeitpunkt des nächsten Liefertermins.
  2. Continuous Replenishment: In der zweiten Form besucht der Lieferant den Kunden in festgelegten Abständen. Bei den Besuchen ermittelt der Lieferant den Fehlbestand für die nächste Lieferung und liefert diese Anzahl.
  3. Consignment Inventory: Bei einem Consignment Inventory ist der Lieferant Teilinhaber des Lagers des Kunden. Er ist für das Lager verantwortlich und bestückt es nach Bedarf selbst.

Die Prozesse dieser Konzepte werden über elektronische Business-to-Business-Marktplätze (B2B-Marktplätze) abgebildet. Über solche Marktplätze können Unternehmen untereinander Geschäfte abschließen und somit Produkte bzw. Dienstleistungen ver- bzw. einkaufen.

Wie kann der Lagerbestand analysiert werden?

Für ein VMI sind Prognosen des zukünftigen Lagerbestands wichtig, damit Lieferanten stets wissen, wann sie welche Artikel nachliefern sollen. Eine Art, um den Lagerbestand zu analysieren, ist die ABC-Analyse. Mit dieser können Sie herausfinden, wie sich die Produktnachfrage über einen bestimmten Zeitraum ändert und können somit Ihrem Lieferanten eine Prognose weiterleiten.

Für die ABC-Analyse gruppieren Sie zunächst Ihre Waren in drei Kategorien:

  1. Kategorie A: Hier befinden sich Ihre meistverkauften Produkte, die am wenigsten Platz und Kosten für die Lagerung benötigen. Diese machen etwa 20 % Ihres Bestands aus.
  2. Kategorie B: In der nächsten Kategorie sind Artikel, die zwar gleich viel wie A-Produkte verkauft werden, aber teurer in der Lagerung sind. Etwa 40 % Ihres Bestands gehört zu dieser Kategorie.
  3. Kategorie C: C-Artikel sind die restlichen Artikel, die auch etwa 40 % Ihres Bestands ausmachen.

Die Vorteile von Vendor Managed Inventory

Ein Bestandsmanagement nach einem VMI-Prinzip kann für Lieferanten und Kunden viele Vorteile bringen. Zunächst können Lieferanten schnell auf leichtere Bedarfsschwankungen reagieren, da sie stets über den Bedarfsstand informiert sind. Dadurch haben Kunden der Lieferanten den Vorteil, dass Produkte nun kaum ausverkauft sind. Zudem trägt der Lieferant eine größere Verantwortung und erhält auch mehr Freiheiten bei der Lieferungs-Planung.

Händler wiederum (bzw. die Kunden der Lieferanten) verfügen über geringere Lagerbestände und profitieren somit neben einer Platz- auch von einer Kosteneinsparung. Da Kunden stets die passende Anzahl an Ware geliefert bekommen, werden weniger Produkte retourniert. Somit profitieren Lieferanten von einer Transport-Optimierung.

Ein VMI ist unter folgenden Voraussetzungen besonders rentabel einsetzbar:

  • Der belieferte Kunde macht einen großen Prozentsatz der Verkaufszahlen des Lieferanten aus.
  • Der Lieferant liefert standardisierte Produkte, die der Kunde regelmäßig anfordert.
  • Die Nachfrage der Produkte ist stets in etwa gleich – es sollten idealerweise keine spontanen Bedarfe auftreten.
  • Hohe Abwicklungskosten für die Auftragsbearbeitung und die Produktionsplanung.
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Welche Herausforderungen gibt es?

Obwohl Vendor Managed Inventory viele Vorteile mit sich bringt, birgt es auch ein paar Herausforderungen. Zunächst tragen Unternehmen ein hohes Risiko, wenn sie sensible Daten wie Auftrags- und Bestelleingänge mit anderen Unternehmen teilen. Daher müssen beide Parteien über ein hohes Vertrauen der anderen Partei über verfügen, damit sie korrekte Analysen durchführen können.

Dieses Vertrauen können sie mit einem Fokus auf vertragliche Regelungen stärken. Mit diesen können beide Parteien festhalten, wer auf welche Daten auf welche Art und Weise zu welchem Zweck zugreifen kann.

Zudem sind die Investitionskosten eines VMI recht hoch, die Sie jedoch bei einem Erfolg schnell wieder einholen.

Allerdings ist ein VMI nicht auf jede Art von Sortiment anwendbar, weswegen es nicht für alle Unternehmen einsetzbar ist. Eine Voraussetzung ist u. a. eine recht stabile Produktnachfrage.

Der Prozessablauf eines VMI

Der Prozessablauf zwischen Kunde und Lieferant sieht wie folgt aus:

  1. Zunächst sendet der Kunde seine Bestands- und Abverkaufsdaten von einem bestimmten Artikel über ein EDI an den Lieferanten. Die Abverkaufsdaten sind entweder historisch oder bereits prognostiziert.
  2. Der Lieferant empfängt diese Daten in seinem System.
  3. Falls der Kunde historische Daten versendet hat, erstellt der Lieferant eine Prognose. Ansonsten baut er auf den prognostizierten Werten des Kunden auf. Auf der Basis dieser Daten plant der Lieferant die nächsten Lieferungen. Die Kundenauftragsdaten sendet er per EDI an den Kunden.
  4. Die empfangene Lieferanten-Bestellbestätigung wird im System des Kunden verarbeitet und in eine Bestellung umgewandelt.
  5. Im letzten Prozessschritt wird die Bestellnummer aus dem Kundensystem als Referenz in den zugehörigen Kundenauftrag eingetragen, damit bei Problemen auf die Bestellung zurückgegriffen werden kann.

Fazit

Mit einem optimierten Lagerbestand gestalten Sie Ihre Lieferkette effizient und sparen dabei nicht nur Platz, sondern auch Kosten ein. Mit VMI sind Lieferanten für den Lagerbestand zuständig und schicken selbst Bestellungen aus, die auf prognostizierten Daten basieren. Diese kann der Kunde entweder selbst ermitteln oder er leitet die Bestands- und Abverkaufsdaten an den Lieferanten weiter, der diese dann analysiert und eine Prognose anhand der Daten ermittelt. Der Vorteil eines VMI liegt darin, dass die benötigten Daten elektronisch vermittelt werden und viele Prozesse automatisiert werden können, wodurch beide Parteien von einer Effizienzsteigerung profitieren können.

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FAQ

Was ist Vendor Managed Inventory?

Vendor Managed Inventory beschreibt ein Konzept, welches das Inventar durch eine logische Strategie optimal dimensioniert und somit die Leistung in der Lieferkette verbessert. Ein typisches Beispiel ist die Disposition von Konsumgütern in einem Handelsunternehmen durch den Hersteller der Güter.

Wie funktioniert Vendor Managed Inventory?

Beim VMI geht es darum, dass der Lieferant Zugriff auf die Lagerbestands- und Nachfragedaten bekommt. Diese werden z. B. durch Verbrauchs- oder Abverkaufszahlen errechnet. So behält der Lieferant einen ständigen Überblick über die Lagerbestände und den Bedarf.

Welche Arten von Vendor Managed Inventory gibt es?

Man unterscheidet zwischen klassischem VMI (Kunde leitet Abverkaufs- und Verbrauchsdaten an den Lieferanten weiter), Continous Replenishment (Lieferant besucht Kunden und ermittelt Fehlbestand) und Consignment Inventory (Lieferant ist Teilinhaber des Lagers des Kunden).

Welche Vorteile bringt Vendor Managed Inventory?

Zum einen können Lieferanten durch das Bestandsmanagement schneller auf Bedarfsschwankungen reagieren, somit sind Kunden nur selten ausverkauft. Des Weiteren profitieren Kunden von den optimierten Lagerbeständen in Form von Platz- und Kosteneinsparungen.

Tim Lutz

Tim Lutz

Mein Name ist Tim Lutz und ich bin der Bereichsleiter IT für Produktion und Logistik. Ich beschäftige mich schon seit vielen Jahren mit Logistiklösungen im SAP Umfeld.

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