Materialgruppenmanagement
Inhaltsverzeichnis
Was ist Materialgruppenmanagement?
Ein Materialgruppenmanagement (MGM) ist ein Instrument der Einkaufsorganisation eines Unternehmens. Ziele eines MGM sind hohe marktseitige Einsparpotenziale und Prozesskostensenkungen. Diese erreicht das MGM mithilfe von einem organisationsübergreifendem Beschaffungsmanagement, das wiederum die Zusammenarbeit von Einkäufern, Organisatoren und Bedarfsträgern unterschiedlicher Organisationseinheiten beschreibt. Bei einem MGM optimiert ein Unternehmen seine strategischen Beschaffungsprozesse auf Materialgruppenebene.
Eine strategische Materialgruppe besteht aus ähnlichen
- Materialien,
- Artikeln,
- Dienstleistungen,
- Fertigerzeugnissen
- oder Baugruppen
mit einem hohen Beschaffungsvolumen verglichen zum Gesamtbeschaffungsvolumen.
Eine MGM geht davon aus, dass Materialien aus einer strategischen Materialgruppe ähnliche Prozesse benötigen. Außerdem besagt ein MGM, dass eine Lieferantenstrategie erst dann durchführbar ist, wenn der genaue Materialbedarf des Unternehmens bekannt ist. Von welchen Artikeln ist u. a. der Bedarf größer oder mit welchen Lieferzeiten ist bei welchen Artikeln zu rechnen? Dabei soll für jede Gruppe die bestmöglichen Konditionen gefunden werden, die bspw. durch Rahmenverträge erreicht werden können.
Sie sollten auch darauf achten, dass die richtigen Materialien zum richtigen Zeitpunkt im Unternehmen eintreffen, damit die Produktion reibungslos verlaufen kann.
Zudem sollen unnötige Varianten eines Materials vermieden werden. Es sollen also so wenig unterschiedliche Arten eines Materials wie möglich innerhalb einer Materialgruppe vorkommen.
Vorgehensweise beim Materialgruppenmanagement
Für jede strategische Materialgruppe soll es jeweils eine verantwortliche Person geben, die auch Materialgruppenmanager genannt wird. Dieser verfügt über Fachwissen zu den Produkten und verwaltet alle Aktivitäten rund um die Materialgruppe. Die Beschaffung gliedert sich in folgende drei Schritte:
- Das Beschaffungsvolumen in inhaltsreiche Gruppen einteilen.
- Das Einkaufsvolumen anhand von vergangenen Daten analysieren und eine Bedarfsprognose auswerten.
- Eine Strategiedefinition für die Materialgruppe mithilfe der analysierten Daten und der Prognose formulieren.
Aufgaben des Materialgruppenmanagements
Die Strategiedefinition kann wiederum in folgende Aufgaben eingeteilt werden:
- Alle Beschaffungsvorgänge koordinieren.
- Den Einkaufsbedarf sammeln.
- Die Beschaffung, also die Kommunikation zwischen Material- und Lieferantendaten, stets verbessern.
- Den Bestand und den Materialfluss koordinieren.
- Beschaffungsmärkte, die für die Materialgruppen essentiell sind, analysieren.
- Die Beschaffungsprozesse der Materialgruppen analysieren und ausarbeiten.
- Das Beschaffungssortiment standardisieren.
Bei der Einführung eines MGM sollten Unternehmen darauf achten, dieses nicht direkt auf alle Materialgruppen anzuwenden. Die Effizienz und Kosteneinsparungen erhalten Unternehmen einfacher, wenn sie das Materialgruppenmanagement sukzessiv angehen. Die Anforderungen sollten zunächst an einer Gruppe erprobt werden, damit das Konzept an andere Materialgruppen angepasst werden kann.
Abgrenzung zum Warengruppenmanagement
Das Materialgruppenmanagement wird vom Warengruppenmanagement (WGM) unterschieden. Abgrenzungspunkt sind die Segmentierungskriterien, nach denen die Produkte und die Beschaffungsgüter gegliedert werden. Während im MGM Produkte nach beschaffungsmarktrelevanten Kriterien unterteilt werden, verläuft die Unterteilung von Produkten im WGM nach kundenrelevanten Kriterien.
Wie in Abbildung 1 zu sehen ist, werden bei einer Materialgruppenstruktur Materialgruppen ihren zugehörigen Materialfeldern zugeordnet. Bei einer Warengruppenstruktur wiederum werden Warengruppen in Produktgruppen eingeteilt.
Unternehmen, die ihren Einkauf nach Warengruppen sortieren, haben den Nachteil, dass sie kaum von Mengenvorteilen profitieren können. Und da sie den Bedarf von lediglich einer Warengruppe decken, können sie nur erschwert Fachkenntnisse über einzelne Artikelgruppen erlangen. Somit können sie auch schlechter Beschaffungsstrategien ausreifen.
Die Vorteile eines Materialgruppenmanagements
Mit einem MGM haben Unternehmen wiederum den Vorteil, dass sich mehrere Materialgruppenverantwortliche für einzelne Materialgruppen Fachwissen aneignen können. Jeder verantwortliche Mitarbeiter verhandelt mit seinem fachlichen Know-how mit Lieferanten, damit der bestmögliche Preis erzielt werden kann und die Bedürfnisse des Unternehmens getroffen werden können.
Alle Beschaffungsaktivitäten werden unter Berücksichtigung Ihrer Unternehmensgesamtstrategie geplant, dokumentiert und umgesetzt. Somit können Sie sich sicher sein, dass die Beschaffung auf die Bedürfnisse Ihres Unternehmens zugeschnitten ist.
Dadurch, dass der Materialgruppenmanager fachliches Know-how über eine Materialgruppe besitzt, kann dieser die Beschaffungsmarkttransparenz verbessern und somit eine Strategie für einzelne Materialgruppen ableiten. Die Folge: Sie erzielen eine Reduktion des Materialpreises zwischen 7-14 %.
So funktioniert ein Materialgruppenmanagement mit SAP
Damit Sie ein MGM mit SAP realisieren können, ist eine erfolgreiche Implementierung eines Warengruppenschlüssels im ERP-System Voraussetzung. So sind Sie in der Lage, Artikel einer Materialgruppe zuzuordnen und ihnen dieselben Merkmale zu gruppieren. Auf diese Materialgruppen können Sie auch zugreifen und ggf. nach Bedarf ändern.
Des Weiteren sind Sie in der Lage, Analysen über ausgewählte Materialgruppen durchzuführen. So können Sie Analysen u. a. zum Bestand oder den Materialbewegungen erzeugen.
Fazit
Beim Materialgruppenmanagement fassen Sie ähnliche Produkte zusammen, so dass sich ein Mitarbeiter Fachwissen über die Materialien aneignen kann. Mithilfe des Fachwissens kann Ihr Unternehmen von einer Effizienzsteigerung bei der Beschaffung profitieren. MGM können Sie mit Ihrem SAP-System mithilfe eines Warengruppenschlüssels realisieren: So können Sie Materialien einer Materialgruppe zuordnen und Analysen durchführen, um Beschaffungsprozesse stets zu optimieren.
FAQ
Was versteht man unter Materialgruppenmanagement?
Das Materialgruppenmanagement (MGM) ist ein Instrument der Einkaufsorganisation eines Unternehmens. Es zielt darauf ab, hohe Einsparpotenziale und Prozesskostensenkungen zu erreichen, indem sie strategische Beschaffungsprozesse auf Materialgruppenebene optimieren.
Welche Materialgruppen gibt es?
Beispiele für Materialgruppen sind unter anderem Kupfer, Kunststoff, Gummi, Leder oder Holz. Durch die Zusammenfassung dieser Materialien in Gruppen können Unternehmen eine effizientere Beschaffung und einen gezielteren Einsatz der Ressourcen erreichen.
Wie definiert sich eine strategische Materialgruppe?
Eine strategische Materialgruppe besteht aus ähnlichen Materialien, Artikeln, Dienstleistungen, Fertigerzeugnissen oder Baugruppen mit einem hohen Beschaffungsvolumen im Vergleich zum Gesamtbeschaffungsvolumen.
Welche Aufgaben hat ein Materialgruppenmanager?
Ein Materialgruppenmanager ist für eine strategische Materialgruppe verantwortlich. Zu seinen Aufgaben gehören die Koordination aller Beschaffungsvorgänge, das Sammeln des Einkaufsbedarfs, die Verbesserung der Kommunikation zwischen Material- und Lieferantendaten, die Koordination des Bestands und Materialflusses, die Analyse von beschaffungsmarktrelevanten Beschaffungsmärkten sowie die Analyse und Ausarbeitung der Beschaffungsprozesse der Materialgruppen.
Haben Sie Fragen zu Materialgruppenmanagement? Dann stellen Sie mir diese gerne. Ich freue mich auf den Kontakt!