SAP DDMRP vs. SAP MRP – Was sind die Unterschiede?
Mit DDMRP wird ein Ansatz in der Beschaffungsplanung beschrieben, welcher auf nachfrageorientierten und dynamischen Prinzipien beruht und somit das klassische MRP ergänzen soll. In diesem Beitrag erfahren Sie mehr über die Funktionsweise, Unterschiede zum herkömmlichen MRP sowie Möglichkeiten zur Umsetzung in SAP S/4HANA.
Was ist DDMRP?
DDMRP steht für Demand Driven Material Requirement Planning, oder zu deutsch, nachfragegesteuerte Materialbedarfsplanung. Dies ist ein moderner Planungsansatz, der das klassische MRP erweitert.
Was ist der Unterschied zum herkömmlichen MRP?
MRP ist der traditionelle Ansatz, der auf Prognosen und festen Wiederbeschaffungspunkten beruht. In einem MRP-System werden Bestellmengen und Produktionspläne oft im Voraus geplant, basierend auf erwarteter Nachfrage und festgelegten Sicherheitsbeständen. Es setzt also auf Push-Prinzipien, bei denen Materialien in die Lieferkette “geschoben” werden, wiederum basierend auf Prognosen und statischen Regeln. Das kann zu Problemen wie Überbeständen, veralteten Beständen und ineffizienten Lieferketten führen, da MRP nicht immer in der Lage ist, schnell auf Änderungen in der Nachfrage oder unerwartete Störungen zu reagieren.
Im Gegensatz dazu ist DDMRP ein modernerer Ansatz, der auf Pull-Prinzipien und einer dynamischen, nachfrageorientierten Planung beruht. Statt auf Prognosen zu setzen, konzentriert sich DDMRP auf die tatsächliche Kundennachfrage und passt Puffer und Nachschubplanung dynamisch auf Basis aktueller Bedarfs- und Bestandssituationen an. Diese dynamischen Puffer werden durch Algorithmen und Kennzahlen berechnet und dienen als Auslöser für die Beschaffung oder Produktion von Materialien, wenn der Bestand unter einen bestimmten Schwellenwert fällt.
DDMRP ermöglicht somit eine schnelle Reaktion auf Marktveränderungen, reduziert Überbestände und minimiert das Risiko von Engpässen. Visualisierungstools und Kennzahlen helfen zudem dabei, den Bestandsstatus in Echtzeit zu überwachen und die Lieferkette transparenter zu gestalten.
Wie funktioniert DDMRP?
Hier sind die Schlüsselkomponenten und Funktionsweisen von DDMRP noch einmal im Detail:
Nachfrageorientierung
DDMRP legt den Schwerpunkt auf die tatsächliche Kundennachfrage als Ausgangspunkt für die Bestandsplanung. Anstatt sich auf Vorhersagen zu verlassen, werden Bestände und Produktionspläne direkt an die aktuelle Nachfrage angepasst. Das ermöglicht eine schnellere Reaktion auf Änderungen im Markt.
Entkopplungspunkte
In der DDMRP-Methodik werden Entkopplungspunkte identifiziert. Das sind strategische Stellen in der Lieferkette, an denen Bestände platziert werden, um gegen Unsicherheiten und Schwankungen in der Nachfrage abzupuffern. Durch die gezielte Platzierung von Puffern an diesen Stellen wird die Lieferkette widerstandsfähiger gegenüber Störungen.
Dynamische Puffer
Anstatt fester Wiederbeschaffungspunkte und Bestellmengen zu verwenden, nutzt DDMRP dynamische Puffer. Diese Puffer passen sich laufend an Veränderungen in der Nachfrage, Lieferzeiten und anderen Faktoren an. Sie werden mithilfe von Algorithmen und Kennzahlen berechnet und sind so ausgelegt, dass sie Schwankungen in der Nachfrage und im Angebot ausgleichen.
Visualisierung und Kollaboration
DDMRP setzt auf visuelle Tools und Kennzahlen, um den Status der Bestände und den Fluss von Materialien in Echtzeit sichtbar zu machen. Das ermöglicht den Teams in der Lieferkette, schnell auf Engpässe oder Überschüsse zu reagieren. Außerdem fördert DDMRP die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Abteilungen, um gemeinsam Engpässe zu lösen und die Planung zu optimieren.
Pull-Prinzip
DDMRP basiert auf dem Pull-Prinzip, bei dem Materialien nur dann beschafft oder produziert werden, wenn sie tatsächlich benötigt werden. Das geschieht auf Basis von Signalen aus den dynamischen Puffern, wenn der Bestand unter einen bestimmten Schwellenwert fällt.
Fokus auf den Fluss
DDMRP fokussiert die Optimierung des Material- und Informationsflusses in der gesamten Lieferkette. Engpässe und Blockaden werden identifiziert und beseitigt, um einen reibungslosen und effizienten Ablauf zu gewährleisten.
DDMRP in SAP
SAP unterstützt die DDMRP-Methodik in SAP S/4HANA über Demand-Driven Replenishment DDR. Dadurch lässt sich der DDMRP-Prozess von der Planung bis zur Ausführung integriert in einem System abbilden. Zudem ermöglicht SAP S/4HANA die systemgestützte Generierung, Priorisierung und Überwachung von Nachschubelementen auf Basis aktueller Puffer und Bedarfssituationen.
Unter SAP S/4HANA stehen Ihnen u. a. folgende Apps für die Umsetzung von DDMRP zur Verfügung:
- Schedule Product Classification (Produktklassifikation einplanen): Klassifikation von Produkten nach Wert, Verbrauchsschwankung und Stücklistenverwendung, um ihre Relevanz für Demand-Driven Replenishment zu bewerten und die Relevanz regelmäßig anhand aktueller Nachfrageentwicklungen zu überprüfen.
- Mass Maintenance of Products (Massenpflege von Produkten): Anzeige und Änderung relevanter Produktstammdaten, Auswertung von Klassifikationsergebnisse, Auswahl DD-relevanter Produkte und Anpassung von Stammdaten bei Bedarf für mehrere Produkte.
- Schedule Lead Time Classification of Products (Durchlaufzeitklassifikation von Produkten einplanen): Klassifikation relevanter Produkte anhand ihrer entkoppelten Durchlaufzeit über einen definierten Bewertungszeitraum und Einplanung regelmäßiger Neuklassifizierungen, um aktuelle Grundlagen für die Puffereinstellungen zu schaffen.
Zusätzlich dazu stehen Ihnen unter SAP IBP für die bedarfsorientierte Wiederbeschaffung u. a. folgende Apps zur Verfügung:
- Profile für bedarfsorientierte Wiederbeschaffung: Anlage, Bearbeitung und Verwaltung von Profilen für die Ausführung von Planungsoperatoren im Rahmen der bedarfsorientierten Wiederbeschaffung.
- DDMRP-Pufferanalyse: Festlegung von Entkopplungspunkten und Simulation verschiedener Szenarien, um die Auswirkungen von Puffern auf den Bestandsfluss in der Supply Chain zu analysieren.
- Überwachung des DDMRP-Pufferstatus: Überwachung von Kennzahlen für Entkopplungspunkte entlang der Supply Chain, einschließlich aktuellem Pufferstatus, Lagerbestand, Auftragsempfehlungen, Net-Flow-Positionen und prognostiziertem Lagerbestand.
Vorteile und Fazit
Insgesamt kann man sagen, dass DDMRP als fortschrittlicher und reaktionsfähiger angesehen wird als herkömmliches MRP. Es ermöglicht eine agilere Lieferkette, die besser in der Lage ist, auf die tatsächlichen Anforderungen des Marktes einzugehen, während MRP oft auf Vorhersagen und statischer Planung beruht, die weniger flexibel und anpassungsfähig sind. Das macht DDMRP besonders geeignet für Branchen mit hoher Nachfragevariabilität und sich schnell ändernden Kundenanforderungen. Demnach ist es auch robust gegenüber Nachfrageschwankungen und Störungen in der Lieferkette.
Jedoch ergänzt DDMRP die herkömmliche Materialbedarfsplanung lediglich, anstatt sie zu ersetzen. Es transformiert den herkömmlichen “Push”-MRP-Nachschubprozess für strategisch wichtige Teile in eine bedarfsgesteuerte “Pull”-Methode mit einem Fokus auf Visualisierung. Die traditionelle Materialbedarfsplanung bleibt weiterhin für ihre Planungsprozesse und den Nachschub nicht strategischer Teile zuständig.



