Viele Unternehmen haben die Herausforderung zu meistern, dass sie ihre Lieferfähigkeit eher schätzen als verlässlich planen können. Dies sorgt für Schwierigkeiten bei der operativen Planung und schadet der Kundenbindung. In diesem Artikel erfahren Sie, wie SAP S/4HANA mit Advanced Available-to-Promise das Lieferversprechen steuerbar und planbar macht.
Was ist eine ATP-Prüfung in SAP?
ATP steht für „Available-to-Promise” und bezeichnet die Verfügbarkeitsprüfung einer Materialmenge zu einem bestimmten Zeitpunkt innerhalb von SAP. Das System berechnet, ob die Bestände, Bestellungen und Planaufträge die Kundenaufträge, Reservierungen und Lieferungen decken. Es ermittelt bereits bei der Kundenauftragserfassung, ob die Lieferung der gewünschten Menge eines Produkts zum angefragten Termin möglich ist. Das System bietet grundlegende Verfügbarkeitsprüfungen und verhindert Überverkäufe. Zudem berechnet es, welche Restmenge Sie noch frei zusagen können.
Dabei vergleicht die ATP-Prüfung die vorhandenen und zukünftig verfügbaren Bestände mit den bereits bestehenden Bedarfen. Auf dieser Grundlage entscheidet SAP, ob eine Lieferung vollständig, teilweise oder erst zu einem späteren Zeitpunkt möglich ist. Dabei berücksichtigt die ATP-Prüfung Herstellungszykluszeiten, Konkurrenz zwischen verschiedenen Kundenaufträgen und die zeitliche Reihenfolge von Zugängen und Abgängen. Jeder neue Auftragseingang löst eine Neuberechnung im System aus.
So stützen Sie Ihre Lieferzusagen nicht mehr auf Schätzungen, sondern auf aktuelle Daten aus dem System.
Machen Sie aus Ihrer Supply Chain einen steuerbaren Prozess statt einer Blackbox: mit SAP S/4HANA schaffen wir Echtzeit-Transparenz, robuste Abläufe und die Basis für kontinuierliche Optimierung – von Planung bis Auslieferung.
Ablauf der Verfügbarkeitsprüfung ohne ATP
Wenn Sie keine ATP-Verfügbarkeitsprüfung nutzen, müssen Sie in der Regel eine Kombination aus Erfahrungswissen, manuellen Listen und direkter Kommunikation zwischen Vertrieb und Lager verwenden. Dies kann schnell zu einem Informationsgefälle führen. Verschiedene Mitarbeiter treffen Zusagen auf Basis unterschiedlicher Datenbestände. Überbestätigungen häufen sich unbemerkt an. Oft erkennen Sie kritische Themen wie blockierte Aufträge oder gefährdete Liefertermine erst, nachdem der Schaden bereits eingetreten ist. So arbeiten Sie reaktiv statt proaktiv. Das hat Stornierungen, Kundenbeschwerden und eine fehlende Planungssicherheit zur Folge.
Typische Herausforderungen ohne ATP-Prüfung in SAP
Ohne eine Available-to-Promise-Prüfung können Sie Ihren Kunden oft keine verlässlichen Lieferzusagen machen und sind nicht flexibel genug, um auf Veränderungen in der Lieferkette zu reagieren.
- Fehlende Transparenz über verfügbare Bestände: Es besteht keine Möglichkeit, jederzeit einen aktuellen Überblick über verfügbare Materialien und Produkte zu erhalten. Wichtige Informationen liegen in verschiedenen Systemen oder Abteilungen ab, zudem ist der Wissensstand auf verschiedene Mitarbeiter verteilt. So haben Sie beispielsweise Einblick in den aktuellen Lagerbestand, jedoch fehlen Ihnen die Informationen über bereits reservierte Mengen, geplante Wareneingänge oder laufende Produktionsaufträge. Dies hat zur Folge, dass Lieferzusagen häufig auf unvollständigen Informationen basieren.
- Hoher manueller Abstimmungsaufwand: Ohne eine automatisierte Verfügbarkeitsprüfung müssen die Abteilungen Vertrieb, Einkauf, Produktion und Logistik regelmäßig Informationen untereinander austauschen, um die tatsächliche Lieferfähigkeit eines Produkts zu ermitteln und vor allem gegenüber dem Kunden zu gewährleisten. Dies führt zu einem deutlichen Abstimmungsaufwand, denn Mitarbeiter müssen nach Informationen suchen, Rückfragen stellen und interne Abstimmung durchführen.
- Unzuverlässige Lieferzusagen: Kunden fordern präzise und verbindliche Angaben zu Lieferterminen. Solche Zusagen erfolgen jedoch oftmals auf Basis unvollständiger Daten, sodass das Risiko von Lieferverzögerungen oder Terminverschiebungen besteht.
- Spätes Erkennen von Lieferengpässen: Durch eine fehlende ATP-Prüfung werden Lieferengpässe häufig erst sichtbar, nachdem Aufträge bereits erfasst oder bestätigt wurden. Zu diesem Zeitpunkt sind die Handlungsmöglichkeiten oftmals eingeschränkt. Die Suche nach alternativen Beschaffungswegen, die Anpassung der Produktion oder die Umverteilung von Beständen erfordert zusätzlichen Zeitaufwand.
- Erschwerte Priorisierung von Kundenaufträgen: Aufgrund begrenzter Lieferbestände muss eine Priorisierung der Kundenaufträge erfolgen. Vor allem bei zeitkritischen Aufträgen führt die fehlende Transparenz zu einer fehlerhaften Verteilung der verfügbaren Bestände. Dadurch bleiben Umsatzpotenziale ungenutzt.
Ohne eine fundierte Datengrundlage und eine zuverlässige Verfügbarkeitsprüfung bleibt das Treffen verbindlicher Lieferzusagen sowie die Steigerung der Effizienz eine Herausforderung.
Welche Daten fließen in die ATP-Prüfung ein?
Damit SAP eine zuverlässige Aussage treffen kann, fließen sämtliche bestandsrelevanten Informationen in die Verfügbarkeitsprüfung ein.
Auf der Zugangsseite:
- Aktuelle Lagerbestände
- Offene Bestellungen bei Lieferanten
- Planaufträge und Fertigungsaufträge
Auf der Abgangsseite:
- Kundenaufträge
- Reservierungen
- Geplante Lieferungen
- Primärbedarfe
Das System ordnet Abgängen den jeweils zeitlich nächstgelegenen Zugang mit verfügbarer Menge zu und reduziert die ATP-Menge entsprechend bei jeder Bestätigung. So haben Sie ein realistisches Bild der tatsächlichen Verfügbarkeit, welche bei jedem Auftragseingang neu und in Echtzeit berechnet wird.
ATP-Prüfung in SAP ECC: Grenzen der klassischen Lösung
Bisher beantwortete ATP nur zuverlässig, ob die gewünschte Menge des Materials verfügbar ist, ordnete die Priorität der Lieferzusage jedoch keinem Kunden zu. Bei Engpässen entschied bisher die Reihenfolge der Auftragserfassung darüber, wer beliefert wird, nicht die Marge oder der Vertragsstatus. Zudem mussten Sie nach individuellen Entwicklungen Anpassungen an der Verfügbarkeitslogik in ECC vornehmen. Diese sind teuer in der Wartung und schwer zu aktualisieren.
Von ATP zu aATP in SAP S/4HANA
Dafür hat SAP in S/4HANA eine Lösung entwickelt: Advanced Available-to-Promise (kurz aATP) ist eine strategische Erweiterung von ATP. Während ATP die Frage beantwortet, ob Ware verfügbar ist, gibt aATP zusätzlich Auskunft darüber, für wen und unter welchen Bedingungen sie verfügbar sein soll. Somit ist aATP nicht nur eine Erweiterung der ATP-Prüfung, sondern auch die offizielle Nachfolgelösung von gATP aus SAP Advanced Planning and Optimization (SAP APO). Dessen Support läuft 2027 aus und aATP ist direkt in den S/4HANA-Kern integriert. Das vermeidet Datenredundanzen zwischen ERP- und APO-System, ermöglicht Echtzeitauswertungen und verbessert die Systemperformance.
SAP aATP Funktionen im Überblick
Produktverfügbarkeitsprüfung (PAC)
Das System prüft, ob ein Material verfügbar ist und wenn ja, auf welcher Ebene und zu welchem Zeitpunkt. Es führt Vorwärts- und Rückwärtsterminierungen durch, berücksichtigt Vorlaufzeiten für Kommissionierung und Transport und gibt konkrete Bestätigungsvorschläge zurück.
Backorder Processing (BOP)
Ändern sich Beschaffungs- oder Bedarfssituationen, sind bereits getätigte Zusagen unter Umständen nicht mehr haltbar. BOP ermöglicht es, offene Aufträge bei Engpässen nach Kundenpriorität, Marge oder Auftragstyp strukturiert neu zu bewerten. Hierbei ist nicht mehr die Reihenfolge der Eingänge entscheidend.
Kontingentierung (PAL)
Die Kontingentierung verhindert bei Engpässen, dass ein einzelner Großkunde die gesamte verfügbare Menge eines Materials erhält. Bestände lassen sich gezielt nach Region, Kundengruppe oder Zeitraum zuweisen.
Alternativenbasierte Bestätigung (ABC)
Wenn ein Material im bevorzugten Werk nicht verfügbar ist, berechnet ABC automatisch alternative Optionen wie ein anderes Werk, ein Substitutionsprodukt oder einen anderen Liefertermin. Das System wählt dabei selbstständig die vorteilhafteste Alternative, sodass kein Mitarbeiter manuell nach einer Lösung suchen muss.
Verfügbarkeitsschutz (SUP)
Sie können bestimmte Mengen für Kundengruppen reservieren, unabhängig von der zeitlichen Reihenfolge eingehender Aufträge.
Release for Delivery (RfD)
Release for Delivery unterstützt die Steuerung der Auslieferung. Vor der Freigabe der Lieferung prüft das System die aktuelle Verfügbarkeit und berücksichtigt dabei die bestehende Bedarfs- und Bestandssituation. So können Sie Lieferungen gezielt priorisieren und verfügbare Bestände effizient einsetzen.
Supply Assignment (ARun)
Supply Assignment ordnet Bestände oder zukünftige Zugänge bestimmten Bedarfen zu. Das System reserviert diese Mengen frühzeitig für bestimmte Kundenaufträge oder andere wichtige Aufträge. So haben Sie Planungssicherheit und wichtige Aufträge werden zuverlässig beliefert.


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Kundenwertorientierte Steuerung mit aATP
Mit aATP in S/4HANA können Sie als Unternehmen im Engpassfall aktiv entscheiden, welchen Status Aufträge erhalten.
- Win: Höchste Priorität – der Auftrag wird vollständig und termingerecht bestätigt, bestehende Bestätigungen werden nie reduziert.
- Gain: Erfüllung, wenn möglich, keine Reduzierung bestehender Bestätigungen.
- Redistribute: Bestätigungen können je nach Gesamtlage angepasst werden. Die Bestellungen können ihre bestätigte Menge erhalten oder einen Teil davon verlieren.
- Fill: Niedrige Priorität, die Bestätigungen können bei Bedarf reduziert werden. Fill verhält sich wie Redistribute, kann aber keine zusätzlichen Bestätigungen hinzugewinnen.
- Lose: Diese Aufträge geben ihre bestätigten Mengen vollständig an alle anderen Klassifizierungen ab.
Steuerung von Lieferversprechen mit SAP S/4HANA
Mit Funktionen wie “Release for Delivery”, “Backorder Processing” und dem “Availability Change Log (ACL)” können Sie Lieferzusagen kontrolliert steuern, auch wenn sich Bestände oder Bedarf ändern. So lassen sich gefährdete Aufträge frühzeitig erkennen, Prioritäten anpassen und Lieferentscheidungen nachvollziehen.
Vorteile von aATP für IT und Fachbereich
aATP bietet sowohl der IT als auch den Fachbereichen einen Mehrwert.
Für die IT entfallen viele der klassischen Z-Entwicklungen, die in ECC-Systemen für Priorisierungslogiken erforderlich waren. Verfügbarkeit, Allokation und Priorisierung sind im Standard bereits enthalten. Weniger Eigenentwicklungen bedeuten weniger Wartungsaufwand und eine sauberere Basis für zukünftige Upgrades.
Im Fachbereich entstehen belastbare Lieferzusagen. Engpässe werden strukturiert verwaltet. Das System liefert die Datengrundlage, um Entscheidungen besser nachvollziehbar zu machen.
Fazit
aATP verwandelt eine reine Bestandsabfrage in ein Steuerungsinstrument für den Vertrieb. Mithilfe von Funktionen wie der Produktverfügbarkeitsprüfung, dem Backorder Processing, der Kontingentierung, Release for Delivery, Supply Assignment und der alternativen Bestätigung steuern Sie Engpässe nach klaren, im System hinterlegten Prozessen. So können Sie Ihre Kunden zielgerichtet beliefern, Lieferzusagen verlässlich einhalten und Ihre Vertriebsprozesse effizienter gestalten.
FAQ
Was ist eine ATP-Prüfung in SAP?
ATP steht für „Available-to-Promise“ und bezeichnet die Verfügbarkeitsprüfung in SAP. Das System ermittelt bereits bei der Auftragserfassung, ob die gewünschte Produktmenge zum angefragten Termin geliefert werden kann. Dafür gleicht es vorhandene und zukünftige Bestände mit bestehenden Kundenaufträgen, Reservierungen und geplanten Lieferungen ab.
Welche Daten berücksichtigt die ATP-Prüfung?
Auf der Zugangsseite berücksichtigt SAP unter anderem aktuelle Lagerbestände, offene Bestellungen sowie Plan- und Fertigungsaufträge. Dem gegenüber stehen Kundenaufträge, Reservierungen, geplante Lieferungen und Primärbedarfe. Bei jedem neuen Auftragseingang wird die verfügbare Menge neu berechnet.
Was ist der Unterschied zwischen ATP und aATP?
Die klassische ATP-Prüfung beantwortet hauptsächlich, ob eine bestimmte Materialmenge verfügbar ist. Advanced Available-to-Promise, kurz aATP, erweitert diese Prüfung um strategische Steuerungsmöglichkeiten. Unternehmen können damit zusätzlich festlegen, für welche Kunden, Regionen oder Aufträge verfügbare Mengen priorisiert werden sollen.
Welche Funktionen bietet SAP aATP?
Zu den wichtigsten Funktionen gehören die Produktverfügbarkeitsprüfung, das Backorder Processing, die Kontingentierung und die alternativenbasierte Bestätigung. Ergänzt werden diese durch Funktionen wie Verfügbarkeitsschutz, Release for Delivery und Supply Assignment. Damit lassen sich Bestände gezielt verteilen, Aufträge neu priorisieren und alternative Liefermöglichkeiten automatisch ermitteln.
Welche Vorteile bietet aATP für Unternehmen?
aATP ermöglicht verlässlichere Lieferzusagen, eine frühzeitige Erkennung von Engpässen und eine gezielte Priorisierung wichtiger Kundenaufträge. Fachbereiche erhalten eine transparente Entscheidungsgrundlage, während die IT von weniger individuellen Entwicklungen und einem geringeren Wartungsaufwand profitiert.
Lassen Sie sich beraten


Wenn Sie aATP bereits heute in Ihrem Vertrieb nutzen möchten, fragen Sie uns gerne für ein kostenloses Erstgespräch an. In diesem Gespräch schauen wir ganz unverbindlich, wie Sie aATP optimal in Ihre Vertriebsprozesse integrieren können.
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Tim Lutz
Fachbereichsleiter Mindlogistik
info@mind-logistik.de
0211 946 285 72-40
