# Disposition unter S/4HANA mit SAP PP-MRP Quelle: https://mind-logistik.de/sap-produktion/disposition-unter-s-4hana-mit-sap-pp-mrp/ Stand: 2026-10-28 Um benötigte Materialien rechtzeitig für die Produktion bereitzustellen und Liefertermine zuverlässig einzuhalten, benötigen Unternehmen eine effiziente [Materialbedarfsplanung](https://mind-logistik.de/knowhow/materialbedarfsplanung/). Mit SAP PP-MRP unter S/4HANA können Unternehmen ihre Materialversorgung durch unterschiedliche Dispositionsverfahren und die Planung in separaten Dispositionsbereichen gezielt steuern. Welche Dispositionsbereiche und -Verfahren die Lösung beachtet, erfahren Sie in diesem Beitrag. ## Materialbedarfsplanung mit SAP PP-MRP Die Materialbedarfsplanung ([PP-MRP](https://mind-logistik.de/knowhow/sap-mrp/)) in SAP S/4HANA unterstützt Disponenten dabei, die Materialverfügbarkeit sicherzustellen und notwendige Beschaffungsvorgänge zu planen. Dafür ermittelt das System, welche Materialien in welchen Mengen benötigt werden und wann diese verfügbar sein müssen. Zur Mengenermittlung müssen Lagerbestände, Reservierungen und Bestellbestände berücksichtigt werden, während für die Terminplanung Durchlauf- und Beschaffungszeiten relevant sind. Auf Basis dieser Informationen erstellt SAP S/4HANA Beschaffungsvorschläge. Die Bedarfsplanung kann entweder auf Werksebene oder auf verschiedenen Dispositionsbereichsebenen erfolgen. Auf Werksebene führt das System den Lagerbestand des Werks zusammen, indem es die Bestände aus den einzelnen Lagerorten summiert, mit Ausnahme der Kundeneinzelbestände. Im Planungslauf ermittelt SAP S/4HANA den Materialbedarf und erstellt bei Unterdeckung entsprechende Beschaffungsvorschläge, bspw. Bestellanforderungen oder Planaufträge. Über eigene Dispositionsbereiche können Unternehmen zudem einzelne Lagerorte unabhängig vom übrigen Werk planen und so die Materialversorgung gezielter steuern. Dabei berücksichtigt SAP S/4HANA ausschließlich die Bestände, die dem jeweiligen Dispositionsbereich zugeordnet sind und ermittelt den entsprechenden Materialbedarf für diesen Bereich. Auf diese Weise kann die Bedarfsplanung gezielt für bestimmte Bereiche durchgeführt werden. ## Verschiedene Dispositionsbereiche In SAP S/4HANA ermöglichen Dispositionsbereiche eine voneinander unabhängige Materialbedarfsplanung für einzelne Bereiche eines Werks. Für jeden Dispositionsbereich können materialspezifische Dispositionsmerkmale und Losgrößenverfahren festgelegt werden. SAP S/4HANA unterscheidet dabei drei Arten von Dispositionsbereichen: ### Dispobereich für das Werk Dieser Bereich umfasst sämtliche Bestände der Lagerorte und der Lohnbearbeiter. Materialien, die einem Lagerort- oder Lohnbearbeiter-Dispobereich zugeordnet sind, werden nicht im Werks-Dispobereich geplant. ### Dispobereich für Lagerorte Ein beplanbarer Bereich kann aus einem oder mehreren Lagerorten bestehen. Jedem Lagerort wird jedoch nur ein Dispositionsbereich zugewiesen. ### Dispobereich für Lohnbearbeiter Jedem Lohnbearbeiter kann genau ein eigener Dispositionsbereich zugeordnet werden. Während ein Dispositionsbereich mehrere Lagerorte umfassen kann, ist ein Dispositionsbereich vom Typ Lohnbearbeiter ausschließlich einem einzelnen Lohnbearbeiter zugeordnet, also eine 1:1-Beziehung. Beistellkomponenten von Lohnbearbeitern können Sie separat planen. Die Zuweisung von Materialien zu den verschiedenen Dispositionsgebieten erfolgt über den Materialstamm. Dabei können Sie ein Material mehreren Dispositionsgebieten zuordnen, für die jeweils eigene Dispositionsparameter hinterlegt werden können. So lassen sich bspw. unterschiedliche Losgrößenverfahren für dasselbe Material festlegen, abhängig davon, in welchem Dispositionsbereich es geplant wird. Das Resultat daraus ist Flexibilität bei der Bedarfsplanung. Ist einem Material im Materialstamm kein separater Dispositionsbereich zugeordnet, erfolgt die Planung ausschließlich über den Werksdispositionsbereich. Materialien, die nicht geplant werden sollen, können mit dem Dispositionsmerkmal 'ND' (keine Materialbedarfsplanung) versehen werden. Daneben steht das Dispositionsmerkmal 'VB' für die manuelle Bestellpunktdisposition. Dabei wird eine Beschaffung angestoßen, sobald der relevante verfügbare Bestand den im Materialstamm festgelegten Meldebestand unterschreitet. ## Dispositionsverfahren Um verfügbare Kapazitäten und Eingänge termingerecht an die Bedarfsmengen anzupassen, stehen Ihnen folgende Dispositionsverfahren in PP-MRP zur Verfügung: ### Plangesteuerte Disposition Die plangesteuerte Disposition berücksichtigt aktuelle und zukünftige Materialbedarfe, die sich bspw. aus Kundenaufträgen oder der Produktionsplanung ergeben. Diese Bedarfsmengen bilden die Grundlage für die Ermittlung des Nettomaterialbedarfs. In dem Zuge berücksichtigt das System u. a. Kundenaufträge und geplante Primärbedarfe oder Sekundärbedarfe, die durch die Auflösung von Stücklisten entstehen. Die Nettobedarfsrechnung kann dabei genau auf den Tag durchgeführt werden. Durch die genaue Berücksichtigung der Bedarfsmengen können Unternehmen ihre Sicherheitsbestände gezielt planen und ggf. reduzieren. ### Verbrauchsgesteuerte Disposition Die verbrauchsgesteuerte Disposition orientiert sich an historischen Verbrauchsdaten und ermittelt den Nachschubbedarf anhand festgelegter Meldebestände oder statistischer Prognosen. Anders als bei der plangesteuerten Disposition wird die Nettobedarfsrechnung dabei nicht unmittelbar durch Primär- oder Sekundärbedarfe ausgelöst. Bei der Bestellpunktdisposition wird Nachschub angestoßen, sobald der relevante verfügbare Bestand unter den Meldebestand fällt. Bei der prognosebasierten Disposition bilden hingegen statistisch ermittelte Bedarfe die Grundlage für den Planungslauf. Ein Vorteil der verbrauchsgesteuerten Disposition liegt dabei in ihrer einfachen Handhabung und der geringeren Anforderung an umfangreiche Daten. ### Bedarfsorientierte Wiederbeschaffung Die bedarfsorientierte Wiederbeschaffung (Demand-Driven Replenishment) richtet die Materialplanung am tatsächlichen Bedarf aus und hilft Unternehmen, ihre Materialversorgung auch bei schwankender Nachfrage sicherzustellen. Dafür werden an strategisch ausgewählten Punkten der Lieferkette Bestandspuffer eingerichtet, deren Höhe regelmäßig an veränderte Bedarfssituationen angepasst wird. So lassen sich Schwankungen besser abfedern und Materialengpässe reduzieren. ### Leitteileplanung Leitteile sind besonders wichtige Materialien oder Baugruppen, die einen großen Einfluss auf die Produktionsplanung haben. In SAP S/4HANA werden sie nicht im regulären MRP-Planungslauf berücksichtigt, sondern separat geplant. Dafür steht ein eigener Planungslauf zur Verfügung, der entweder für einzelne Leitteile oder für alle Leitteile gemeinsam durchgeführt werden kann. Bei diesem Planungslauf ermittelt das System, welche Komponenten für die Leitteile benötigt werden. Die weitere Planung dieser Komponenten erfolgt jedoch erst in einem späteren Schritt. So können Disponenten die Planung wichtiger Materialien zunächst überprüfen und bei Bedarf anpassen, bevor die Änderungen Auswirkungen auf die restliche Produktion haben. ## Fazit Mit SAP PP-MRP unter S/4HANA können Unternehmen ihre Materialbedarfsplanung gezielt steuern und die rechtzeitige Versorgung ihrer Produktion sicherstellen. Dafür stehen unterschiedliche Dispositionsverfahren zur Verfügung, die sich an den jeweiligen Anforderungen und Bedarfssituationen orientieren. Durch die Planung auf Werksebene oder in separaten Dispositionsbereichen lässt sich die Materialversorgung flexibel an die betrieblichen Abläufe anpassen. So können Unternehmen Materialengpässe reduzieren, Lagerbestände optimieren und gleichzeitig ihre Lieferfähigkeit verbessern. Falls Sie ansonsten Fragen zum Thema Materialbedarfsplanung und Disposition oder speziell zur Komponente PP-MRP haben, zögern Sie nicht uns zu kontaktieren. Unsere erfahrenen Berater kümmern sich um Ihr individuelles Anliegen und unterstützen Sie bei Ihren Herausforderungen.